Jackson Hole beginnt: Fed-Chef Warshs Debüt vor großer Bewährungsprobe
wallstreetcnDie bevorstehende Rede von Fed-Chef Warsh ist nicht nur eine entscheidende Prüfung seines prägnanten Kommunikationsstils, sondern wird auch zum zentralen Fenster für die globalen Märkte, um den künftigen Zinspfad der USA zu erkennen.
Am Donnerstagabend Ortszeit versammelten sich Zentralbankgouverneure, Ökonomen und Finanzjournalisten aus aller Welt in Jackson Hole, Wyoming. Die von dem Präsidenten der Kansas City Fed, Schmid, ausgerichtete jährliche Wirtschaftskonferenz begann mit Begrüßungsworten und einem Abendessen.
Am Freitag um 22:00 Uhr Pekinger Zeit wird Fed-Chef Warsh seine erste große Rede seit der Übernahme der wichtigsten Zentralbank der Welt halten. Die Konferenz gilt weithin als eine bedeutende Bewährungsprobe für Warshs prägnanten Kommunikationsstil.
Die Wall Street beobachtet aufmerksam, wie der neue Vorsitzende sein Versprechen einlösen will, die Inflation auf das Ziel von 2 % zurückzuführen. Gleichzeitig hofft der Markt auf klarere Forward Guidance zu den US-Wirtschaftsaussichten, um die derzeitige Nervosität zu beruhigen.
Warsh hat sich bisher stets geweigert, konkrete Hinweise auf die künftige Zinsrichtung zu geben. Laut der jüngsten Preisbildung an den Federal-Funds-Futures rechnen Anleger derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 36 % für eine Zinserhöhung auf der September-Sitzung der Fed.
Interne Meinungsverschiedenheiten und Druck am Anleihemarkt
Hinter der weltweit beachteten Rede steht eine tiefe politische Spaltung innerhalb der Fed. Auf der Juli-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) wurde zwar offiziell beschlossen, die Zinsen unverändert zu lassen, doch die Meinungen im Entscheidungsgremium gingen deutlich auseinander.
Damals stimmten drei stimmberechtigte Mitglieder gegen die Entscheidung und sprachen sich offen für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte aus. Darüber hinaus äußerten sich mindestens zwei nicht stimmberechtigte Mitglieder ebenfalls klar für eine Straffung der Geldpolitik.
Derzeit debattiert die Fed-Führung intensiv darüber, ob das aktuelle Zinsniveau ausreicht, um die Inflation zu dämpfen. Diese interne Uneinigkeit schwächt das Vertrauen des Marktes in die Kontinuität der Politik zusätzlich.
Neben den internen Differenzen muss sich Warsh auch dem enormen externen Druck vom Anleihemarkt stellen. In den letzten Wochen sind die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen kontinuierlich gestiegen, da der Kreditbedarf der US-Regierung stark zugenommen hat und Technologieunternehmen verstärkt um Kapital konkurrieren.
Die Zweifel des Marktes an Warshs Entschlossenheit zur Inflationsbekämpfung haben die Verkaufswelle am Anleihemarkt weiter verschärft. Um dieser komplexen Liquiditätsherausforderung zu begegnen, hat US-Finanzminister Bessent bereits in der vergangenen Woche ein Rückkaufprogramm für länger laufende US-Staatsanleihen angekündigt.
Angesichts dieser kurzfristigen Herausforderungen versucht Warsh zugleich, den langfristigen Rahmen der Zentralbank neu auszurichten. Im Juli hatte er angedeutet, die „großen Fragen“ der globalen Zentralbanken angehen zu wollen, und dafür fünf Arbeitsgruppen eingerichtet, die zentrale Politikbereiche von Datenerhebung und -analyse über externe Kommunikation bis hin zur Bilanz umfassend überprüfen sollen.
Fokus auf Finanzinnovation und Spitzenforschung
Das Leitthema der diesjährigen Jackson-Hole-Konferenz lautet „Finanzinnovation und ihre Auswirkungen auf Zahlungsverkehr und Geldpolitik“. Zu diesem zukunftsweisenden Thema werden am Freitag und Samstag vier gewichtige wissenschaftliche Arbeiten von den Teilnehmern intensiv diskutiert.
Eswar Prasad von der Cornell University wird gemeinsam mit Gordon Liao von Circle und Tony Zhang von der Arizona State University eine Arbeit über Finanzinnovation und das internationale Währungssystem vorstellen. Darrell Duffie von der Stanford University wird Forschungsergebnisse zu tokenisierter Finanz und den Grenzen von Zentralbanken präsentieren.
Christine Parlour von der University of California, Berkeley, Uday Rajan von der University of Michigan und Haoxiang Zhu vom MIT werden gemeinsam Risiken von Stablecoins erörtern. Markus Brunnermeier von der Princeton University wird zum Abschluss eine Arbeit mit dem Titel „Künstliche Intelligenz und die schöne neue Finanzwelt“ präsentieren.
Die Konferenz zieht zahlreiche hochrangige politische Entscheidungsträger aus aller Welt an. Der Gouverneur der Bank of England, Bailey, und der Gouverneur der Bank of Korea, Shin Hyun-song, haben ihre Teilnahme bestätigt. Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der EZB, wird als Diskutantin der Freitagvormittagspapiere auftreten.
Am Freitag findet zudem eine Podiumsdiskussion über internationale Erfahrungen mit Zahlungsinnovationen statt. Pablo Hernández de Cos, General Manager der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Kristalina Georgieva, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), und Stefano Scarpetta, Chefökonom der OECD, werden gemeinsam diskutieren.
Auch Vertreter aus Schwellenländern sind prominent vertreten. Der Gouverneur der argentinischen Zentralbank, Santiago Bausili, die Gouverneurin der chilenischen Zentralbank, Rosanna Costa, und Olga Lucía Acosta von der kolumbianischen Zentralbank stehen auf der Teilnehmerliste.
Aus der Wissenschaft wird Raghuram Rajan, Professor an der University of Chicago und Mitglied von Warshs Arbeitsgruppe zur Bilanz, als Diskutant der Samstagssitzung fungieren. Auch Karen Dynan, Professorin an der Harvard University und ebenfalls Mitglied dieser Arbeitsgruppe, wird voraussichtlich an der Konferenz teilnehmen.
Der frühere Fed-Vorsitzende Powell ist nach Ablauf seiner Amtszeit entgegen der üblichen Praxis im Gouverneursrat verblieben. Bemerkenswert ist, dass er der einzige Fed-Entscheidungsträger auf der offiziellen Liste ist, der dieser Konferenz fernbleibt.
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