Schwacher ADP-Bericht stützt US-Aktien kurzfristig, doch der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag bleibt entscheidend
Über Nacht hat sich der Markt erneut gedreht.
Zuvor lastete die Sorge vor steigenden Markterwartungen einer Zinserhöhung der Fed im September auf den US-Aktien. Doch gestern Abend, nach Veröffentlichung des ADP-Berichts, konnten die US-Aktien ihre Verluste stoppen und drehten ins Plus: Der Dow Jones stieg um 0,56 %, S&P 500 und Nasdaq legten jeweils um 0,46 % zu und beendeten damit eine dreitägige Verlustserie.
1. Ein „schwacher" Arbeitsmarktbericht wird zur Rettungsleine für US-Aktien
Für die Erholung sorgte der vor Börsenbeginn veröffentlichte ADP-Arbeitsmarktbericht (auch „kleiner Nonfarm Payrolls" genannt): Im August kamen in den USA laut ADP nur 38.000 neue Stellen hinzu, weniger als die erwarteten 48.000 und der schlechteste Wert seit Januar dieses Jahres.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die Renditen von US-Staatsanleihen fielen, die US-Aktien drehten ins Plus und Gold zog an.
Die Logik dahinter ist altbekannt: Arbeitsmarktdaten sind neben der Inflation der zentrale Indikator für die Zinsentscheidungen der Fed. Ein heißer Arbeitsmarkt signalisiert eine überhitzte Wirtschaft und spricht für Zinserhöhungen; ein schwacher Arbeitsmarkt deutet auf eine Abkühlung hin und eröffnet Spielraum für eine geldpolitische Lockerung. So wurden die schlechten ADP-Zahlen zur guten Nachricht.
2. Nicht zu früh freuen: Der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag ist die eigentliche Bewährungsprobe
Die Erleichterung durch den ADP-Bericht dürfte jedoch nur vorübergehend sein. Am Freitag steht der offizielle Nonfarm-Payrolls-Bericht an.
Zunächst eine Ernüchterung: Der ADP-Bericht gilt traditionell als Frühindikator für den offiziellen Bericht, doch es besteht kein stabiler linearer Zusammenhang – ein schwacher ADP-Wert bedeutet nicht zwangsläufig einen schwachen offiziellen Bericht. Der Markt erwartet derzeit allgemein, dass sich die Beschäftigung im August leicht erholt und rund 55.000 neue Stellen geschaffen werden, deutlich mehr als die -23.000 im Juli.
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Laut CME FedWatch Tool sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September nach Veröffentlichung des ADP-Berichts nur leicht auf 62,3 % – das Risiko einer Zinserhöhung ist also keineswegs gebannt. Genau deshalb ist der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag so entscheidend.
3. Wie sieht die Fed den Arbeitsmarkt? Warshs Haltung ist bemerkenswert
Selbst wenn der ADP-Bericht in einem Monat schwach ausfällt, bleiben die Fed-Vertreter insgesamt optimistisch für den Arbeitsmarkt.
Warsh deutete diese nuancierte Haltung in seiner Rede auf dem Jackson-Hole-Symposium in der vergangenen Woche an: Er räumte gewisse lokale Schwächen am Arbeitsmarkt ein, betonte jedoch, dass die Gesamtlage mit Vollbeschäftigung vereinbar sei. Wörtlich sagte er: „Wenn das Arbeitskräfteangebot nahezu stagniert, fallen die monatlichen Stellenzuwächse naturgemäß niedrig aus. Insgesamt können die meisten Arbeitswilligen jedoch weiterhin eine Stelle behalten oder finden."
Diese Aussage kommt nicht von ungefähr. Strengere Einwanderungspolitik, sinkende Geburtenraten und die alternde Bevölkerung dämpfen gemeinsam das Wachstum des Arbeitskräfteangebots in den USA – ein geringer Stellenzuwachs muss also nicht auf eine schwache Nachfrage hindeuten, sondern kann auch ein knappes Angebot widerspiegeln. Regierungsdaten zeigen zudem, dass die Arbeitslosenquote weiterhin auf historisch niedrigem Niveau liegt. Dies stützt die Kernaussage der Fed-Vertreter: Der Arbeitsmarkt ist weitgehend ausgeglichen, und der Fokus der Geldpolitik kann weiterhin auf der Inflationsbekämpfung liegen.
Mit anderen Worten: Ein schwacher ADP-Bericht reicht nicht aus, um die Fed umzustimmen.
4. Fazit
Die aktuelle Lage lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Erholung ist real, aber die Risiken sind es auch.
Der ADP-Bericht hat die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September etwas gedrückt, doch 62,3 % bedeuten, dass der Markt weiterhin mehrheitlich mit einer Zinserhöhung rechnet. Sollte der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag die erwarteten 55.000 deutlich übertreffen, könnte sich die gerade erholte Stimmung jederzeit wieder drehen.
In dieser Phase, in der sich ein Erholungsfenster mit der Bewährungsprobe durch die Daten überschneidet, zeigt sich gerade auf der Handelsplattform von BIT der Wert von Optionsinstrumenten: Fallen die Daten am Freitag positiv aus, profitieren Aktien weiter von Kursgewinnen; enttäuschen sie, federn Auszahlungen aus Optionen die Verluste ab. Schließlich ist eine Versicherung immer dann am günstigsten, wenn die Sonne scheint.
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