Wall-Street-Morgenbericht: US-Anleihen-Rettung scheitert; Speicher, Optik und Meta trotzen Verlustserie

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Ölpreis über 100 Dollar, Renditen auf Dreijahreshoch, Trump setzt auf die Zwischenwahlen

Die drei großen US-Indizes schlossen den dritten Handelstag in Folge im Minus: Der Dow Jones Industrial Average verlor 0,77 %, der S&P 500 0,48 % und der Nasdaq Composite 0,64 %.

In der Nacht eskalierten die Spannungen zwischen den USA und dem Iran deutlich. Brent-Rohöl schloss bei 101,21 US-Dollar pro Barrel, WTI bei 96,05 US-Dollar pro Barrel – beides Höchststände seit Ende Mai. Hauptgrund ist die zunehmende Verlagerung des Konflikts auf See: Der Iran kündigte neue maritime „Sanktionszonen“ an, das US-Militär griff iranische Öltanker an, die Huthi-Rebellen attackierten mehrere saudische Städte, und das Transportrisiko in der Straße von Hormus stieg sprunghaft. Daten von Kplers Bridgeton Research Group zeigen, dass der Anteil der Long-Positionen trendfolgender CTAs bei Brent auf 91 % und bei WTI auf 90 % gestiegen ist – ein deutlicher Sprung gegenüber 45 % bzw. 36 % Ende August. Das bedeutet, dass programmgesteuertes Kapital den Ölpreisanstieg bereits als Trendtrade betrachtet.

Trump versucht, diesen Energieschock in eine Wahlerzählung umzudeuten. Bei einem Treffen der Republikaner in Dallas sagte er, der Krieg mit dem Iran werde nach den Zwischenwahlen im November „sofort enden“ und die Ölpreise würden dann „deutlich fallen“. Zugleich räumte er ein, dass Bemühungen zur Senkung der Benzinpreise möglicherweise erst nach den Zwischenwahlen Wirkung zeigen. Um Wähler zu gewinnen, versprach Trump, jedem erwachsenen US-Bürger eine „Trump-Dividende“ von 5.000 US-Dollar auszuzahlen, falls die Republikaner die Zwischenwahlen gewinnen und beide Kammern des Kongresses halten – finanziert aus Zolleinnahmen. Den Markt beschäftigt jedoch eine andere Frage: Die Kosten dieses Plans könnten 1 Billion US-Dollar übersteigen. Würde das das Haushaltsdefizit und die Inflation weiter anheizen? Umfragen zeigen niedrige Zustimmungswerte; Krieg und Lebenshaltungskosten nagen an seiner Kernwählerschaft.

Das US-Finanzministerium erhöhte die Obergrenze für Rückkäufe langlaufender Anleihen auf 6 Milliarden US-Dollar – immer noch unter den vom Markt erwarteten 7 bis 10 Milliarden. Nach der Ankündigung fielen die Anleihekurse, statt zu steigen. Zudem erreichte die Auktion 10-jähriger Staatsanleihen im Volumen von 39 Milliarden US-Dollar am Mittwoch eine Rendite von 4,834 % – der höchste Wert in der Geschichte dieser Laufzeit. Die Bid-to-Cover-Ratio lag bei 2,71, was auf keine deutliche Nachfrageverbesserung hindeutet. Die Rendite 10-jähriger Treasuries stieg um etwa 5 Basispunkte auf 4,85 % und erreichte damit den höchsten Stand seit November 2023; 30-jährige Anleihen durchbrachen 5,30 %. Der Markt wertet dies als unzureichende Stabilisierungsbemühungen des Finanzministeriums; Finanzminister Scott Bessents Versuch, die Kosten bei langen Laufzeiten zu drücken, stößt vorerst an Grenzen. Morgen früh findet zudem die Auktion 30-jähriger Staatsanleihen statt, deren Nachfrage und Rendite der Markt genau beobachtet. Fällt das Ergebnis schwach aus, könnten die Renditen am langen Ende weiter steigen und den Druck auf Aktien und Anleihen verstärken; übertrifft die Nachfrage die Erwartungen, könnte der Druck auf die Laufzeitprämie vorübergehend nachlassen.

Der Dollar-Index verzeichnete den vierten Rückgang in Folge, wenn auch nur begrenzt; der Yen näherte sich dem stärksten Niveau seit Februar. Die Yen-Stärke in Kombination mit steigenden US-Renditen belastet gleichzeitig Carry-Trades und Aktienbewertungen. Gold eroberte die Marke von 4.400 US-Dollar je Unze zurück und legte rund 1 % zu; die Kupferpreise in London und New York erreichten beide neue Rekordhochs. Dreimonatskupfer in London erreichte mit 14.858,50 US-Dollar je Tonne den höchsten Stand, New Yorker Kupfer stieg auf 6,894 US-Dollar je Pfund. Einerseits befürchtet der Markt, dass die Trump-Regierung Zölle auf raffiniertes Kupfer erheben könnte, was zu Hamsterkäufen und Lieferungen in die USA führt; andererseits treiben Rechenzentren, Stromnetze und der Ausbau erneuerbarer Energien die Kupfernachfrage weiter an.

 

Speicher- und KI-Sektor trotzen dem Trend, Apple stellt erstes faltbares Smartphone vor

Die meisten hoch bewerteten Tech-Giganten standen in der Nacht unter Druck, doch Speicher, optische Kommunikation, KI-Netzwerke und persönliche KI-Agenten entwickelten sich gegen den Trend stark.

Bernstein bleibt für den Speichersektor positiv und verweist darauf, dass die weltweiten Halbleiterumsätze im Juli im Jahresvergleich um 131,4 % gestiegen sind, wobei Speicherchips um 451,7 % zulegten. Die Bank bestätigt für Micron, SanDisk, Samsung und SK Hynix das Rating „Outperform“ und sieht weiteres Aufwärtspotenzial bei den Gewinnschätzungen.

Auch Goldman Sachs wendet sich bullisch dem Speichersektor zu und ist der Ansicht, dass Micron und SanDisk den Abwärtstrend des Sommers durchbrochen haben, während die Positionierung von Hedgefonds noch niedrig ist – es könnte also weiteres Kapital folgen.

Allerdings ist der Speichersektor nicht ohne Risiko: Der CEO von Kioxia warnte, die NAND-Preise seien „stark genug gestiegen“, was darauf hindeutet, dass der Sektor kurzfristig schnell gestiegen ist und die Volatilität hoch bleiben dürfte.

Apple stellte zudem sein erstes faltbares Smartphone vor, das iPhone Duo, zu einem Einstiegspreis von 1.999 US-Dollar (in China 15.999 Renminbi, in Hongkong 17.499 Hongkong-Dollar). Vorbestellungen starten am 16. Oktober, der Verkauf beginnt am 23. Oktober. Gleichzeitig wurden die iPhone-18-Pro-Serie und der im 2-nm-Verfahren gefertigte A20-Pro-Chip vorgestellt. Angesichts des Preises und des Fehlens einiger KI-Funktionen in bestimmten Regionen gab die Apple-Aktie leicht um 0,28 % nach. Bloomberg Intelligence erwartet für das iPhone Duo im ersten Jahr rund 14 Millionen verkaufte Einheiten und einen potenziellen Umsatz von 28 Milliarden US-Dollar. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass Apple möglicherweise Margen gegen Absatz eintauscht.

Konkrete Projektentwicklungen und Kursbewegungen:

  • Meta Platforms +6,55 Prozent: Meta hat offiziell den persönlichen KI-Agenten Muse vorgestellt, der über eine Cloud-VM, 24/7-Betrieb, nächtliche Reflexion und proaktive Planung verfügt. Er kann im Namen des Nutzers E-Mails senden, Waren verkaufen und Reisen buchen. Der Markt sieht in Muse eine frühe Form eines „echten Jarvis“. Zudem plant Meta, wöchentlich 100 Millionen Token kostenlos bereitzustellen und künftig über Provisionen aus Geschäftstransaktionen zu verdienen.
  • Apple −0,28 Prozent: Apple stellte das erste faltbare iPhone Duo vor, in China ab 15.999 Renminbi. Die Spezifikationen sind stark, aber der Markt sorgt sich um den hohen Preis, den Margendruck und das vorübergehende Fehlen von KI-Funktionen in China und der EU.
  • Google −2,09 Prozent: Alphabet plant, in den nächsten zwei Jahren mindestens 13 Milliarden Euro in den Bau und Ausbau von Rechenzentren in Finnland zu investieren. Das Projekt stärkt zwar die langfristige Rechenkapazität, verschärft aber kurzfristig die Sorgen um den freien Cashflow. Zudem verzögert sich das von Blackstone unterstützte KI-Rechenzentrumsprojekt Crux AI, was die realen Engpässe der KI-Expansion offenbart: Strom, Politik, Infrastruktur und Lieferwahrscheinlichkeit sind keine PowerPoint-Folien. Crux AI erklärt, das Ziel von 500 Megawatt Rechenkapazität bis 2027 werde weiterverfolgt, doch das Management schätzt die Wahrscheinlichkeit einer termingerechten Lieferung der einzelnen Projekte auf nur etwa 50 %.
  • SK Hynix +7,05 Prozent, neues Rekordhoch, fünfter Gewinntag in Folge: KI-Server halten die HBM-Nachfrage angespannt; Goldman Sachs, Bernstein und andere Institute werden für den Speicherzyklus zunehmend positiver. J.P. Morgan stuft SK Hynix mit „Overweight“ und einem Kursziel von 245 US-Dollar ein. S&P Global Market Intelligence erwartet, dass SK Hynix im vierten Quartal ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 20 bis 40 Billionen Won ankündigen könnte. Micron Technology +2,75 Prozent, SanDisk +1,51 Prozent, Western Digital +1,04 Prozent, Seagate Technology −2,04 Prozent.
  • MaxLinear +7,53 Prozent, Spitzenreiter im Bereich optische Kommunikation: Der Bau von KI-Rechenzentren weitet sich vom GPU-Einkauf auf Netzwerkverbindungen, optische Module, Switch-Chips und Hochgeschwindigkeitsverbindungen aus. Marvell Technology +4,26 Prozent, Corning +1,51 Prozent, Lumentum +1,07 Prozent, AAOI −3,25 Prozent. Arista bekräftigte das Umsatzziel von 12,6 Milliarden US-Dollar für 2026 und erklärte, die Nachfrage nach GPU-Backend-Netzwerken sei stark, was die Stimmung im Sektor weiter stützt.
  • Ölpreis über 100 Dollar treibt Energiewerte gegen den Trend nach oben: XLE +0,83 Prozent, ExxonMobil +2,22 Prozent, Chevron +1,91 Prozent. Im Gegensatz dazu stehen Fluggesellschaften, Transportunternehmen und energieintensive Industrien unter Kostendruck.
  • AMD +3,04 Prozent: Der Markt sucht weiterhin nach flexiblen KI-Chip-Alternativen zu Nvidia. Unter den relevanten Chipwerten: Intel +1,69 Prozent, Qualcomm +1,33 Prozent, Nvidia −0,91 Prozent.
  • SpaceX −3,86 Prozent: Etwa 7 % der Insider-Aktien, die die Bedingungen für eine vorzeitige Freigabe erfüllen, wurden zum Verkauf freigegeben – rund 319 Millionen Aktien. Der potenzielle Verkaufsdruck könnte bis zu 47,2 Milliarden US-Dollar erreichen.

Was als Nächstes wichtig wird:

10. September (Donnerstag)

  • 20:15 Uhr EZB-Zinsentscheid; 20:45 Uhr Pressekonferenz mit Lagarde: Der Markt ist uneins, ob die EZB die Zinsen anhebt. Im Fokus stehen Energieinflation, Lohndruck und die geldpolitische Führung für Dezember. Fällt die Kommunikation hawkish aus, steigen Euro und europäische Anleiherenditen; ist sie dovish, reduziert der Markt die Erwartungen weiterer Zinsschritte.
  • 20:30 Uhr US-Erzeugerpreise (PPI) für August, Jahres- und Monatsrate: Der Markt erwartet einen Anstieg der Monatsrate auf 0,4 % und der Jahresrate auf etwa 5,2–5,3 %. Energie- und Transportkosten sind die Kernvariablen. Fällt der PPI heiß aus, wird der Markt bereits vor den Verbraucherpreisen Zinsrisiken einpreisen; fällt er moderat aus, entspannt sich der Druck auf Aktien und Anleihen.
  • OPEC veröffentlicht monatlichen Ölmarktbericht: Der Bericht aktualisiert globale Angebots- und Nachfragedaten, Lagerbestände und die Umsetzung der OPEC+-Förderquoten. Bleibt die Nachfrage robust und das Angebot begrenzt, dürfte der Ölpreis weiter gestützt werden und die Inflationserwartungen erneut anheizen; wird die Nachfrage nach unten revidiert, könnte der Anstieg des Ölpreises an Dynamik verlieren.

11. September (Freitag)

  • Oracle und Adobe berichten nach US-Börsenschluss: Bei Oracle stehen Cloud-Infrastrukturaufträge, die Konversionsrate von KI-Rechenzentrumsverträgen und Investitionsausgaben im Fokus; bei Adobe geht es darum, ob generative KI-Funktionen wie Firefly in Abo-Wachstum und höhere Durchschnittserlöse umgemünzt werden können. Die beiden Unternehmen testen damit die Monetarisierungsfähigkeit von KI-Infrastruktur bzw. KI-Anwendungen.
  • 01:00 Uhr Auktion 30-jähriger US-Staatsanleihen im Volumen von 22 Milliarden US-Dollar: Dies ist die letzte Auktion der dreitägigen Angebotswelle und zugleich die größte Bewährungsprobe für das Vertrauen langfristiger Anleger.
  • CME erweitert den Handel mit 100-Unzen-Silber-Futures auf 24 Stunden: Die verlängerten Handelszeiten erhöhen die Liquidität in Asien und an Wochenenden. Die Preisfindung am Edelmetallmarkt wird kontinuierlicher, Volatilität und Cross-Market-Arbitrage-Möglichkeiten bei Silber könnten zunehmen.
  • 11.–13. September: Die China Computing Power Conference 2026 öffnet in Langfang: Im Mittelpunkt stehen Recheninfrastruktur und KI-Infrastruktur. Server, Rechenzentren, Flüssigkühlung, optische Module, Switches, Stromversorgung, heimische Chips und Rechenleistungsvermietung könnten durch das Event Impulse erhalten.

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