Nicht nur auf den CPI starren! Goldman Sachs: Zwei KI-Katalysatoren in der kommenden Woche sind wichtiger und könnten einen „Right-Tail“-Ausbruch an den US-Märkten auslösen

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Während US-Aktienanleger gespannt auf die Inflationsdaten warten, richtet Goldman-Sachs-Stratege Lee Coppersmith den Blick in eine andere Richtung – er sieht in der kommenden Woche KI als entscheidenden Faktor für die Marktrichtung.

Die Veröffentlichung von OpenAIs neuem Flaggschiff-Modell Astra, die Goldman Sachs Communacopia+ Technologiekonferenz (OpenAI tritt am Dienstag um 9:30 Uhr Pazifikzeit auf) sowie das extrem niedrige Positionsniveau bilden gemeinsam eine Marktkonstellation, die einer gespannten Feder gleicht. Coppersmith weist in seiner jüngsten Analyse darauf hin, dass der Markt drei Wege gehen kann: die Inflationsdaten, die Veröffentlichung von OpenAI Astra und die Frage, ob die derzeit stark eingepreiste „Goldlöckchen“-Bewertung, die von Wachstumsoptimismus geprägt ist, Bestand haben kann – jeder einzelne davon reicht aus, um die Kurse zu bewegen.

Auf der Ebene der Marktstruktur liegt die Nettohebelwirkung von US-amerikanischen Long/Short-Aktien-Hedgefonds nur im 4. Perzentil des vergangenen Jahres, die implizite Volatilität von Halbleitern (VXSMH) ist von etwa 65 im Juli auf 36 gefallen – nahezu halbiert; das Goldman Sachs Tech Long/Short-Momentum-Portfolio liegt immer noch etwa 50 % unter seinem Höchststand von Ende Juni – und all dies geschieht, während der Straddle-Index bei 500 % liegt. Mit anderen Worten: Der Markt preist Volatilität außergewöhnlich niedrig ein, steht aber gleichzeitig vor einer dichten Abfolge von Katalysatoren.

Extrem dünne Positionierung, Optionsmarkt unterschätzt Risiken

 

Die aktuelle Positionierung lässt viel Raum für Kursbewegungen. Laut Goldman-Sachs-eigenen Daten liegt die Nettohebelwirkung von US-amerikanischen Long/Short-Aktienstrategien im 4. Perzentil, die Bruttohebelwirkung im 27. Perzentil – ein völlig anderes Bild als noch vor zwei Monaten. Zwar gab es zuletzt eine gewisse Aufstockung, doch insgesamt bleibt die Positionierung äußerst leicht.

Auch der Optionsmarkt spiegelt diesen De-Risking-Prozess wider. Die Halbleitervolatilität hat eine deutliche Neubewertung erfahren: Der VXSMH fiel von etwa 65 im Juli auf 36 und kehrte damit auf das Niveau von Anfang 2026 zurück. Dennoch ist der Markt nicht pessimistisch geworden – die durchschnittliche Put/Call-Schiefe der S&P-500-Konstituenten bleibt nahe ihrem Dreijahrestief. Das bedeutet: Der Optionsmarkt hat die implizite Bandbreite möglicher Ergebnisse eingeengt, preist aber kaum Abwärtsrisiken ein.

Coppersmith ist der Ansicht, dass es unter diesen Bedingungen ein besonders günstiges Chance-Risiko-Verhältnis bietet, über Optionen ein Engagement im „rechten Tail“ der Verteilung einzugehen. Leichte Positionierung, komprimierte Volatilität und eine dichte Abfolge von Katalysatoren ergeben zusammen eine asymmetrische Risiko-Ertrags-Struktur.

 

Dichte KI-Katalysatoren, Goldman Sachs erwartet steigende Investitionsausgaben

 

In der kommenden Woche steht die KI-Erzählung vor einer intensiven Bewährungsprobe. Auf der Goldman Sachs Communacopia+ Technologiekonferenz sind 40 börsennotierte und nicht börsennotierte Unternehmen vertreten; im Mittelpunkt stehen KI-Ausgaben, Renditen und die Wettbewerbslandschaft für 2027 und darüber hinaus. Das Goldman-Sachs-Research hält an seiner Einschätzung steigender KI-Investitionsausgaben fest und erwartet, dass die Nachfrage nach Rechenleistung das Angebot bis 2028 weiterhin übersteigen wird.

Gleichzeitig ist das Goldman Sachs Tech Long/Short-Momentum-Portfolio seit seinem Höchststand Ende Juni um etwa 50 % gefallen; selbst die Erholung von fast 7 % am Freitag konnte den Abwärtstrend nicht umkehren. Für Anleger, die in der jüngsten Sektorrotation den richtigen Zeitpunkt finden wollten, war das kostspielig. Coppersmith betont, dass genau dieser Schmerz die Chance ist – gerade weil ein Wiedereinstieg nicht einfach ist, gibt es das 4. Perzentil bei der Nettohebelwirkung und die halbierte Halbleitervolatilität.

Auf Einzeltitelebene zeigen Micron und SanDisk nach einer sommerlichen Konsolidierung erste Anzeichen dafür, den jüngsten Abwärtstrend zu durchbrechen.

Makroökonomische „Goldlöckchen“-Bedingungen sind fragil, Wachstumsoptimismus weitgehend eingepreist

 

Trotz der leichten Positionierung ist der Spielraum nach oben auf makroökonomischer Ebene begrenzt. Laut Goldman Sachs Research erfordert eine höhere Risikobereitschaft eher sinkende Zinsen als stärkere Wachstumserwartungen. Derzeit nähert sich die Wachstumskomponente des Goldman Sachs Risk Appetite Index dem oberen Ende ihrer Post-Pandemie-Spanne, während die geldpolitische Komponente weiterhin negativ ist.

Das ideale „Goldlöckchen“-Szenario wäre: Eine Wiederöffnung der Straße von Hormus treibt die Energiepreise nach unten, und gleichzeitig sinkt die US-Inflation weiter. Doch da der Wachstumsoptimismus bereits in hohem Maße in allen Anlageklassen eingepreist ist, bleibt nur noch sehr begrenzter Puffer, falls das Wachstum enttäuscht oder ein neuer geopolitischer Schock eintritt.

Auch die Dynamik von Gewinnen und Bewertungen verdient Aufmerksamkeit.

Das Gewinnwachstum des Technologiesektors stammt in diesem Jahr vor allem aus KI-Investitionsausgaben und Buchgewinnen aus Beteiligungen. Die Bereitschaft der Anleger, zunehmend zyklisch geprägten KI-Gewinnen höhere Bewertungen zuzugestehen, nimmt kontinuierlich ab, und die steigende Verschuldung im KI-Ökosystem verstärkt diesen Druck zusätzlich. Das Strategieteam von Goldman Sachs erwartet für die Zukunft niedrigere Sharpe Ratios bei Aktien; sollten jedoch die Zinsen sinken und das Wachstum gleichzeitig robust bleiben, würde dies die Bewertungserholung stützen – insbesondere dann, wenn sich KI-Anwendungen von der Infrastrukturphase auf breitere Anwendungsfelder ausweiten.

 

Absicherungsansatz: Long breiter KI-Index, Short Nicht-KI-S&P

 

Auf der Ebene der Risikoabsicherung liefert Coppersmith einen konkreten Handlungsrahmen: Absicherungen gegen Abwärtsrisiken beim S&P 500 Non-AI Index (SPXXAI) bieten eine äußerst attraktive Konvexität. Der Index ist in den vergangenen zwei Monaten, in denen Anleger gezwungen waren, aus KI zu rotieren, kontinuierlich gestiegen und notiert weiterhin nahe seinem historischen Höchststand – sobald Kapital in KI zurückfließt, dürfte er unter Gegendruck geraten.

Der Paarhandel Long GSTMTAIP / Short SPXXAI ist laut Coppersmith derzeit attraktiv bewertet.

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