Goldman Sachs Hedgefonds-Chef: Ölpreis wichtiger als Jackson Hole, Nvidia im Fokus
wallstreetcnRich Privorotsky, Leiter des Hedgefonds-Geschäfts bei Goldman Sachs, warnte diese Woche: Die Ölpreisentwicklung könnte für die Aktienmärkte wichtiger sein als die Jackson-Hole-Konferenz – niedrigere Energiepreise seien womöglich der kürzeste Weg zur Stabilisierung des Anleihemarktes. Die Nachfrage nach Nvidia-Chips werde zwar „absurd stark“ sein, doch drei Sorgen schwelten bereits: die KI-Finanzierungsblase, Speicherkosten und Bewertungskompression. Er empfiehlt Long-Positionen in Finanz- und Industrietiteln sowie eine Kombination aus S&P 500 und Gold. Bei Anleihen rät er, auf einen Short-Einstieg zu warten, und bei Halbleitern erst nach einer Angleichung der Gewinne an die Bewertungen an einen Ausbruch zu denken.
Ölpreis, Nvidia-Zahlen und die Fed-Konferenz bilden die drei großen Marktvariablen dieser Woche – doch aus Sicht von Goldman Sachs sind sie nicht gleich gewichtet.
Rich Privorotsky, Leiter des One-Delta-Hedgefonds-Geschäfts bei Goldman Sachs, schreibt in seinem jüngsten Kundenbericht, dass der Ölpreis für den breiteren Aktienmarkt in dieser Woche wahrscheinlich wichtiger sei als die Jackson-Hole-Konferenz. Er nennt die jüngsten US-Sanktionen gegen den Iran als Marktfokus und warnt, dass Sanktionen, die direkt auf asiatische Raffinerien abzielen, neue Handelskonflikte auslösen könnten. Nvidia legt am Mittwoch seine Quartalszahlen vor; Privorotsky bezeichnet sie als „gemischten Katalysator“.
Die Marktstimmung hat sich bereits in der vergangenen Woche spürbar gedreht. Der Nasdaq hinkt dem Gesamtmarkt weiter hinterher, Technologiewerte wurden massiv abgebaut, und das KI-Narrativ steht unter Neubewertungsdruck. Privorotsky ist überzeugt, dass der Preisverfall selbst das bärische Narrativ verstärkt: „Preise treiben Narrative – wenn die Preise genug gefallen sind, klingen die alten Argumente von Preisdeflation, Sättigung und Wettbewerb plötzlich überzeugend.“
Ölpreis: das direkteste Instrument zur Beruhigung des Anleihemarktes
Privorotsky setzt den Ölpreis an die Spitze aller Risikovariablen dieser Woche. Seine Logik ist klar: Der starke Anstieg des Stagflationskorbs in der vergangenen Woche resultierte aus der Kombination von steigenden Energiepreisen und schwächerem Wirtschaftswachstum.
„Wenn die USA den Anleihemarkt wirklich stabilisieren wollen, sind niedrigere Energiepreise wahrscheinlich der praktikabelste Weg“, schreibt er. Er schätzt, dass ein Rückgang des Ölpreises um 10 Dollar die Inflationserwartungen verbessert, das Verbrauchervertrauen stärkt, die langfristigen Renditen senkt und die Aktienmärkte stützt.
Abgesehen vom vertikalen Anstieg der KI-Investitionen sei das makroökonomische Fundament nicht ermutigend – der Arbeitsmarkt schwächelt, die Verbraucher sind durchschnittlich, und fiskalische sowie Lageraufbau-Rückenwinde lassen nach. Dennoch stützen jährliche KI-Infrastrukturinvestitionen von über 1 Billionen Dollar das nominale BIP.

Nvidia: Sorgen trotz starker Nachfrage
Die Nvidia-Zahlen am Mittwoch sind das meistbeachtete Ereignis im Technologiesektor dieser Woche. Privorotsky erwartet „absurd starke“ Nachfragedaten und einen massiven Umsatz.
Bei zwei Punkten bleibt er jedoch zurückhaltend. Erstens werde Nvidia zunehmend als „Zentralbank der KI“ positioniert, und das Volumen der Finanzierungszusagen rund um das Ökosystem errege Aufmerksamkeit. Zweitens die Speicherkosten: Falls die Kosten weiter steigen, wird Nvidia sie selbst tragen, an die Kunden weitergeben oder die Speicherabhängigkeit technisch reduzieren? „Das ist entscheidend für den Handel mit Speicherwerten.“
Der breitere Druck auf KI- und Halbleiterwerte ist bereits erkennbar. In der vergangenen Woche sorgte Ox Alpha, ein kostenloses Frontier-Modell unbekannter Herkunft, für Aufmerksamkeit; OpenAI senkte anschließend die API-Preise für GPT-5.6 Sol. Der Silicon Data LLM Token Expenditure Index (SDLLMTK Index) ist seit Ende Juni um fast 40 % gefallen.
Privorotsky weist darauf hin, dass noch kein Unternehmen Kürzungen bei den Hardwareausgaben angekündigt hat, die Aktienbewertungen aber bereits aktiv komprimiert werden. Broadcom hat in der vergangenen Woche eine Fremdfinanzierung über 60 Milliarden Dollar abgeschlossen; das enorme Emissionsvolumen für den KI-Ausbau weckt zunehmend Misstrauen am Markt: „Wenn man dem Szenario, dass Unternehmen letztlich nicht alle Pläne finanzieren können, eine Wahrscheinlichkeit zuordnet, lautet die Antwort entweder mehr Verwässerung oder geringere Investitionsausgaben – beides stützt keine höheren Bewertungsmultiplikatoren.“

Jackson Hole: begrenztes Ereignisrisiko
Der Höhepunkt der Jackson-Hole-Konferenz folgt am Freitag mit der Grundsatzrede von Waller. Privorotsky schätzt das Ereignisrisiko dieser Sitzung als gering ein.
Er erwartet, dass die am Mittwoch veröffentlichten PCE-Daten für Juli weitgehend den Erwartungen entsprechen, mit einem Kern-PCE von rund 20 Basispunkten im Monatsvergleich – im Einklang mit dem Marktkonsens.
Für Wallers Rede hält er fest: Da die Fed klar auf eine Abschwächung der Forward Guidance umgeschwenkt ist, dürfte es schwer sein, einen größeren Marktschock auszulösen, es sei denn, Waller weicht deutlich von seiner bisherigen Linie ab. „Die meisten erwarten einen neutralen Ton mit leicht hawkishem Tail-Risiko – auch wenn die konkrete Form unklar ist, möglicherweise in Aussagen zur Bilanz.“
Fiskalische Intervention: mehr Symbolik als Substanz
Das zentrale Thema der vergangenen Woche blieben die Zinsen. Die Wirkung der Marktintervention von Finanzminister Bessent ließ zwar nach, doch die Renditen liegen weiterhin unter dem Niveau vor seinem Eingreifen.
Privorotsky hält die symbolische Bedeutung der Intervention für Dollar und Gold für weitreichender. „Sie zementiert einen interventionistischen Pfad, statt das grundlegende Ungleichgewicht der fiskalischen Überdehnung zu lösen.“ Den Anstieg der langfristigen Inflations-Swaps/Break-even-Raten und die überraschende Stärke der Edelmetalle führt er auf die Einpreisung dieser Einschätzung zurück.
Vor diesem Hintergrund hält Privorotsky an seiner Kernallokation fest: Long in Finanz- und Industrietiteln, Halten nominaler Anlagen und die Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit drastischer Defizitkürzungen begrenzt bleibt. „Die Kombination aus S&P 500 und Gold bleibt sinnvoll“, schreibt er. Bei Anleihen tendiert er zu Short-Positionen, zieht es jedoch vor, auf einen besseren technischen Einstieg zum Monatsende zu warten.
Für den Halbleitersektor lautet sein Urteil: Die Bewertungen werden letztlich stützen, aber solange das Gewinnwachstum die aktuellen Bewertungsmultiplikatoren nicht einholt – ein Prozess, der sich beschleunigen könnte, wenn Anleger den Blick auf die Prognosen für 2027 richten –, sieht er kaum Spielraum für einen nachhaltigen Ausbruch auf neue Höchststände.
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