Südkorea-Aktienrisiko? Goldman Sachs: Kleinanleger abgezogen, „Rückkauf-Munition“ im Oktober aufgebraucht – nur noch Ausländer im Blick
wallstreetcnDaten zeigen, dass die Nettokäufe südkoreanischer Kleinanleger im August gegenüber Juni um 90 % eingebrochen sind; der Gesamtmarkt wird nur noch mühsam von den Rückkäufen von Samsung und SK Hynix gestützt. Goldman Sachs geht jedoch davon aus, dass diese letzte stützende Munition bereits Mitte Oktober vorzeitig aufgebraucht sein wird! Sobald diese Stütze wegfällt, droht dem Markt ein heftiger Schock; die weitere Entwicklung hängt dann vollständig vom Verhalten ausländischer Investoren ab. Anleger sollten sich auf einen möglichen Liquiditätsschock im Oktober vorbereiten.
Der südkoreanische Aktienmarkt steht an einem kritischen Punkt, an dem mehrere Stützpfeiler gleichzeitig wegzubrechen drohen. Kleinanleger ziehen sich massiv zurück, institutionelle Anleger verkaufen per saldo weiter, und die derzeit einzige stützende Kraft – die Aktienrückkäufe von Samsung Electronics und SK Hynix – dürfte ihre Munition bis Mitte Oktober aufgebraucht haben. Danach wird die Richtung des KOSPI (Korea Composite Stock Price Index) fast vollständig von den Kapitalströmen ausländischer Investoren und der Entwicklung des Won-Wechselkurses abhängen.
Goldman-Sachs-Analyst Chris Cha wies in einem Bericht vom 3. September darauf hin, dass die Nettokäufe der Kleinanleger im August gegenüber Juni um 90 % eingebrochen sind – von 54,5 Billionen Won auf nur noch 5,4 Billionen Won. Die Dynamik der Kleinanleger, die zuvor die starke Erholung des KOSPI im ersten Halbjahr angetrieben hatte, sei damit im Wesentlichen erschöpft. Gleichzeitig verzeichneten ausländische Investoren und inländische Institutionen im August ebenfalls Nettoverkäufe, sodass der Markt faktisch nur noch durch Unternehmensrückkäufe mühsam stabilisiert wurde.
Goldman Sachs warnt, dass die Rückkaufkontingente von Samsung und SK Hynix bei der derzeitigen Ausführungsgeschwindigkeit bereits zwischen Ende September und Mitte Oktober aufgebraucht sein dürften – deutlich vor dem offiziellen Stichtag der beiden Unternehmen im November. Sobald diese künstliche Stütze wegfällt, wird sich der Markt wieder auf die regulären institutionellen Kapitalströme stützen müssen, die auf dem aktuellen Kursniveau jedoch offensichtlich fehlen. Goldman Sachs rät Anlegern daher, sich frühzeitig zu positionieren und auf einen möglichen Liquiditätsschock im Oktober vorzubereiten.
Kleinanleger ziehen sich vollständig zurück – Kaufdynamik nahezu null
Die südkoreanischen Kleinanleger, die im ersten Halbjahr die wichtigste Triebkraft des KOSPI waren, durchlaufen derzeit einen grundlegenden Wandel ihres Anlageverhaltens.
Laut dem Goldman-Sachs-Bericht brachen die Nettokäufe der Kleinanleger im August massiv ein – vom Juni-Höchststand von 54,5 Billionen Won auf nur noch 5,4 Billionen Won, ein Rückgang von 90 % gegenüber dem Vormonat. Goldman Sachs führt diesen Wandel auf drei Ebenen zurück:
Verhaltensebene: Kleinanleger sind von ihrem zuvor aggressiven „Buy-the-Dip“-Modus zu einer konservativen Strategie der Verlustvermeidung und Gewinnmitnahme bei Erholungen übergegangen.
Handelsspannen-Ebene: Goldman Sachs beobachtet systematische Käufe von Kleinanlegern unterhalb von 6.500 KOSPI-Punkten. Sobald der Index versucht, die 7.000-Punkte-Marke zu durchbrechen, stoßen Kleinanleger ihre Positionen rasch ab, was einen deutlichen Deckeleffekt erzeugt.
Liquiditätsebene: Die Einschusszahlungen der Anleger auf Brokerage-Konten liegen seit einer Woche unter 100 Billionen Won, was darauf hindeutet, dass die verfügbaren Mittel der Kleinanleger zunehmend erschöpft sind.
Gleichzeitig überstiegen die Festgeldguthaben der fünf größten südkoreanischen Geschäftsbanken erstmals die Marke von 1.000 Billionen Won. Allein in den Monaten Juli und August flossen zusammen 55,83 Billionen Won zu – ein deutlicher Hinweis auf eine Umschichtung in sichere Anlagen.
Darüber hinaus ist der zuvor bei Kleinanlegern äußerst beliebte Boom bei gehebelten ETFs endgültig vorbei. Da die Aufsichtsbehörden von Anlegern den Abschluss eines fünfstündigen Online-Kurses verlangen, bevor sie eine Hebelhandelsberechtigung erhalten, wurde eine große Zahl von Momentum-Jägern ausgeschlossen, woraufhin die Blase bei gehebelten ETFs platzte.
Unternehmensrückkäufe: einzige Stütze, aber das Zeitfenster schließt sich
Vor dem Hintergrund, dass Kleinanleger, ausländische Investoren und inländische Institutionen im August allesamt Nettoverkäufe verzeichneten, kam der einzige Nettokäufer aus der Kategorie „sonstige Unternehmen“ – also im Wesentlichen aus den Aktienrückkäufen von Samsung Electronics und SK Hynix.
Daten von Goldman Sachs zeigen, dass die Rückkäufe dieser beiden Unternehmen an einem jüngeren Handelstag zusammen Nettokäufe von rund 1,2 Milliarden US-Dollar beisteuerten – mehr als 98 % der Zuflüsse in der Kategorie „sonstige Unternehmen“ an diesem Tag – und dies bereits an zwölf aufeinanderfolgenden Handelstagen. Genau diese anhaltenden Rückkäufe verhinderten einen noch stärkeren Kursrutsch des KOSPI angesichts des Verkaufsdrucks von mehreren Seiten.
Diese Stütze ist jedoch zeitlich klar begrenzt. Die Rückkauffristen von Samsung Electronics und SK Hynix enden am 21. bzw. 19. November. Goldman Sachs hat jedoch anhand der Ausführungsgeschwindigkeit festgestellt, dass die Rückkaufmittel aufgrund der vorgezogenen Ausführungsstrategie der beiden Unternehmen bei der derzeitigen Verbrauchsrate bereits zwischen Ende September und Mitte Oktober aufgebraucht sein dürften – etwa einen Monat vor dem offiziellen Stichtag.
Goldman Sachs warnt, dass die sekundäre Marktstütze danach wieder auf reguläre institutionelle Kapitalströme angewiesen sein wird, deren Beteiligungsbereitschaft auf dem aktuellen Kursniveau jedoch offensichtlich unzureichend ist. Dadurch droht dem KOSPI ein erhebliches Liquiditätsvakuum.
Ausländische Kapitalströme und Won-Wechselkurs: zentrale Variablen für das zweite Halbjahr
Goldman Sachs ist der Ansicht, dass ausländische Nettozuflüsse angesichts der erschöpften Kaufkraft der Kleinanleger und des nahenden Endes des Rückkaufffensters zur wichtigsten strukturellen Variable für die KOSPI-Entwicklung im zweiten Halbjahr geworden sind.
Aus jüngster Sicht hat sich der Nettoverkaufsdruck ausländischer Investoren etwas abgeschwächt. Im Mai und Juni verkauften ausländische Investoren per saldo 447 Milliarden bzw. 486 Milliarden Won; im Juli und August verringerte sich das Nettoverkaufsvolumen auf rund 99 Milliarden bzw. 100 Milliarden Won, was auf eine deutlich nachlassende Verkaufsdynamik hindeutet.
Auch das Wechselkursumfeld entwickelt sich günstiger. Der Won hat seit seinem Tiefpunkt zur Jahresmitte um 12,9 % aufgewertet; der Dollar-Won-Kurs fiel von 1.561,50 auf 1.359,15. Obwohl die Korrelation zwischen dem Dollar-Won-Kurs und dem KOSPI zuletzt teilweise auseinanderlief, ist Goldman Sachs der Ansicht, dass ein stärkerer Won insgesamt günstigere Wechselkursbedingungen für eine globale Umschichtung in den südkoreanischen Aktienmarkt schafft.
Darauf aufbauend hat Goldman Sachs drei Umsetzungsstrategien entwickelt: in der Nähe von 7.000 KOSPI-Punkten bei Erholungen Positionen reduzieren, da dort ein deutlicher Widerstand durch den Break-even-Verkaufsdruck der Kleinanleger erwartet wird; sich frühzeitig auf eine steigende Volatilität nach dem Ende der Rückkäufe im Oktober vorbereiten; und die Rotation ausländischer Gelder bei führenden Halbleiterwerten genau beobachten, um strukturelle Chancen aus der Won-Aufwertung und der Stabilisierung der ausländischen Nettoverkäufe zu nutzen.
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