Wall Street rätselt: Was ist Bessents nächster Schritt zur Rettung der US-Staatsanleihen?
Originalautor: Dong Jing
Originalquelle: Wallstreetcn
US-Finanzminister Scott Bessent verfolgt eine proaktivere Strategie im Staatsschuldenmanagement. Dieser Wandel erschüttert die lange Zeit vorhersehbare Entwicklung des US-Anleihemarktes und zwingt die Wall Street, mögliche größere Anpassungen der staatlichen Kreditaufnahmestrategie in den kommenden Monaten dringend zu analysieren.
Wie Bloomberg am 26. August berichtete, richtet sich der Fokus des Marktes nach der Ankündigung eines Anleiherückkaufprogramms, das Bessent als „Treasury-Twist“ bezeichnete, nun rasch auf den vierteljährlichen Emissionsplan des Finanzministeriums am 4. November. Strategen von Wall-Street-Banken wie Bank of America und Deutsche Bank warnen, dass diese bevorstehende Ankündigung für den 31 Billionen Dollar schwere US-Staatsanleihemarkt zu einer beispiellosen Unbekannten geworden ist.
Derzeit gehen die führenden Wall-Street-Institute davon aus, dass das Finanzministerium im November signalisieren könnte, dass künftige zusätzliche Kreditaufnahmen über kurzfristige Treasury Bills und kürzer laufende Anleihen erfolgen und gleichzeitig das Rückkaufvolumen weiter ausgeweitet wird, um den Druck auf die langfristigen Renditen zu verringern. Einige Banken weisen sogar darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit der radikalen Option einer direkten Reduzierung der Emission langlaufender Anleihen steigt.
Während die Renditen langlaufender Staatsanleihen auf Mehrjahreshöchstständen verharren, sorgt die Abkehr des Finanzministeriums von der langjährigen Praxis der „Regelmäßigkeit und Vorhersehbarkeit“ für neue Volatilität im Markt. Anleger erleben eine völlig neue Ära im US-Schuldenmanagement und bewerten ihre Portfolio-Risiken entsprechend neu.
Emissionsplan im November wird zur „Unbekannten“ für den Markt
Bessents jüngste Schritte haben die lange Ruhe in der US-Finanzpolitik durchbrochen. Meghan Swiber, Managing Director für US-Zinsstrategie bei Bank of America Corp, erklärt, der Anleihemarkt trete in „eine völlig neue Welt“ des US-Schuldenmanagements ein.
Obwohl Bessent derzeit Änderungen am regulären Auktionsplan ausschließt und erklärt hat, das Finanzministerium werde zumindest bis zur Veröffentlichung des nächsten Emissionsplans am bisherigen Zeitplan festhalten, haben sich die Markterwartungen bereits verändert.
Ian Lyngen, Leiter der US-Zinsstrategie bei BMO Capital Markets, betont, dass Bessents Vorgehen die Emissionsankündigung im November faktisch zu einer großen Unbekannten gemacht habe. Eine Verringerung des Auktionsvolumens sei nun nicht mehr auszuschließen.
Darüber hinaus hat das Finanzministerium in seiner jüngsten Emissionsleitlinie eine subtile Formulierungsänderung vorgenommen: Die Offiziellen prüften nun mögliche „Änderungen“ bei künftigen Verkäufen von Kuponanleihen und variabel verzinslichen Anleihen, statt wie zuvor von „Erhöhungen“ zu sprechen. Analysten sehen darin mehr Spielraum für eine Reduzierung der Emission langlaufender Anleihen.
Strategisches Ringen um Ausweitung der Rückkäufe und Verkürzung der Duration
Berichten zufolge könnte das Finanzministerium als ersten Schritt bei den Rückkaufoperationen ansetzen. Die Strategen um Steven Zeng von der Deutschen Bank halten es für möglich, dass das Finanzministerium das Volumen der Langläufer-Operationen über die ursprünglich vorgeschlagenen 4 Milliarden Dollar Mindestbetrag hinaus erhöht.
Die Offiziellen könnten das Volumen der Operationen sogar bis zum Tag vor der Operation geheim halten, um die Vorhersehbarkeit des Rückkaufprogramms zu verringern und die Hürde für Leerverkäufe langlaufender Staatsanleihen deutlich zu erhöhen.
Allerdings können ausgeweitete Rückkäufe allein kaum eine substanzielle Verschiebung der Laufzeitenstruktur der Staatsschulden bewirken. Anders als die Fed kann das Finanzministerium kein Geld aus dem Nichts schöpfen, um seine Käufe zu finanzieren. Das bedeutet, dass Rückkäufe letztlich durch zusätzliche Emissionen – höchstwahrscheinlich kurzfristiger Treasury Bills – oder durch Barmittel des Treasury-Kontos finanziert werden müssen.
Morgan Stanley weist darauf hin, dass das Konto des Finanzministeriums zwischen 80 und 200 Milliarden Dollar für Rückkäufe bereitstellen könne.
Martin Tobias, Zinsstratege bei Morgan Stanley, erklärt, die ausgeweiteten Rückkäufe könnten lediglich eine Übergangsmaßnahme bis zur Veröffentlichung des Emissionsplans im November sein. Das eigentliche marktbewegende Ereignis werde die Art sein, wie das Finanzministerium die durchschnittliche Laufzeit verkürzt.
Tobias erwartet, dass das Finanzministerium den Verkauf kürzer laufender Anleihen schrittweise erhöht und gleichzeitig den Verkauf länger laufender Anleihen stabil hält. In der vergangenen Woche sei jedoch das Risiko gestiegen, dass die Auktionen langlaufender Anleihen direkt reduziert werden.
Tail Risks und Kontroversen einer Reduzierung der Langläufer-Emissionen
Einige Strategen erwägen radikalere Reformoptionen.
Citigroup hat ihre Prognose für größere Auktionsvolumina auf 2028 verschoben und das Tail Risk erhöht, dass das Finanzministerium die 20-jährige Anleihe letztlich abschaffen könnte. Diese Laufzeit wurde 2020 vom ersten Finanzminister der Trump-Regierung, Steven Mnuchin, wieder eingeführt.
Obwohl die Laufzeit kürzer ist, rentiert die 20-jährige Anleihe derzeit ähnlich wie die 30-jährige, was angesichts der steileren US-Zinskurve widersprüchlich erscheint.
Jason Williams, Leiter der US-Zinsstrategie bei Citigroup, erklärt, angesichts der schwachen Entwicklung der 20-jährigen Anleihe im Vergleich zu 10- und 30-jährigen Anleihen werde das Finanzministerium deren Auktionsvolumen wahrscheinlich reduzieren, und die 20-jährige Anleihe dürfte von künftigen Maßnahmen am stärksten profitieren.
Allerdings steht eine direkte Reduzierung der Langläufer-Emissionen vor praktischen Herausforderungen. Das Finanzministerium hatte den Verkauf 30-jähriger Anleihen bereits 2001 eingestellt, doch die damalige Haushaltslage war völlig anders: Haushaltsüberschüsse reduzierten den Finanzierungsbedarf des Staates. In der heutigen Zeit hoher Emissionsvolumina würde die Streichung einer Laufzeit die anderen Laufzeiten zwingen, diese Kreditaufnahme zu übernehmen.
Kevin Flanagan, Leiter der Anlagestrategie bei WisdomTree, warnt, dass eine Reduzierung der Emissionen am langen Ende bei gleichzeitigem Ausgleich an anderer Stelle rechnerisch äußerst schwierig sei. Sollte das Finanzministerium diesen Weg einschlagen, würde der Markt dies als Manipulation betrachten, was letztlich kontraproduktiv sein könnte.
Dieser Inhalt dient nur zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Investitionsberatung in Bezug auf BTCC dar. BTCC unternimmt alle Anstrengungen, kann jedoch nicht die Wahrheit, Genauigkeit oder Originalität des oben stehenden Inhalts garantieren.