Fünf große Plattformen erhalten Bundesbanklizenzen, Kryptoinstitute erstmals in der Liste enthalten

BlockbeatsBlockbeatsAutor: ODAILY星球日报

Originaltitel des Artikels: „Abschied vom Zeitalter der ‚Proxy-Banken‘? Fünf Kryptowährungsinstitute erhalten den Schlüssel zum direkten Zugang zum Zahlungssystem der US-Notenbank“

Originalartikel von: Ethan, Odaily Planet Daily

 

Am 12. Dezember 2025 veröffentlichte das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) in Washington, DC, USA, eine Bekanntmachung, in der Ripple, Circle, Paxos, BitGo und Fidelity Digital Assets, fünf Institutionen für digitale Vermögenswerte, unter Auflagen die Umwandlung in bundesstaatlich konzessionierte nationale Treuhandbanken genehmigt wurde.

 

Diese Entscheidung führte zwar nicht zu drastischen Marktschwankungen, wurde aber in Regulierungs- und Finanzkreisen weithin als Wendepunkt betrachtet. Kryptowährungsunternehmen, die lange am Rande des traditionellen Finanzsystems agierten und häufig mit Unterbrechungen ihrer Bankdienstleistungen zu kämpfen hatten, wurden erstmals offiziell als „Banken“ in den US-amerikanischen Bankenaufsichtsrahmen aufgenommen.

 

Der Wandel vollzog sich nicht plötzlich, war aber umfassend genug. Ripple plant die Gründung der „Ripple National Trust Bank“, und Circle wird die „First National Digital Currency Bank“ betreiben. Schon diese Namen verdeutlichen das Signal der Regulierungsbehörden: Unternehmen im Bereich digitaler Vermögenswerte werden nicht länger nur passiv als „Hochrisikoausnahmen“ geprüft, sondern dürfen nun unter klaren Regeln in den Kern des US-amerikanischen Finanzsystems integriert werden.

 

Dieser Wandel steht in starkem Kontrast zum regulatorischen Umfeld vor einigen Jahren. Insbesondere während der Bankenkrise 2023 steckte die Kryptowährungsbranche tief im sogenannten „Debanking“-Dilemma und wurde systematisch vom US-Dollar-Zahlungssystem abgeschnitten. Mit der Unterzeichnung des „GENIUS Act“ durch Präsident Trump im Juli 2025 erhielten Stablecoins und verwandte Institutionen erstmals einen klaren bundesrechtlichen Status und damit die institutionelle Grundlage für die diesmal konzentrierte Lizenzvergabe des OCC.

 

Dieser Artikel beleuchtet vier Aspekte: „Was ist eine Federal Trust Bank?“, „Warum ist diese Lizenz wichtig?“, „Regulatorische Veränderungen während der Trump-Ära“ und „Reaktionen und Herausforderungen für das traditionelle Finanzwesen“. Er analysiert die institutionelle Logik und die praktischen Auswirkungen dieser Genehmigung. Die zentrale Erkenntnis lautet: Die Kryptowährungsbranche wandelt sich von einem externen Nutzer, der vom Bankensystem abhängig ist, zu einem integralen Bestandteil der Finanzinfrastruktur. Dies verändert nicht nur die Kostenstruktur von Zahlungen und Abwicklungen, sondern prägt auch die Definition von „Bankwesen“ in der digitalen Wirtschaft neu.

 

Was ist eine „Federal Trust Bank“?

 

Um die Bedeutung dieser OCC-Genehmigung vollständig zu verstehen, müssen wir zunächst einen häufig missverstandenen Punkt klären: Es handelt sich hier nicht um fünf Krypto-Unternehmen, die eine traditionelle „Banklizenz“ im herkömmlichen Sinne erhalten.

 

Die OCC hat eine „National Trust Bank“-Lizenz genehmigt. Diese Banklizenz existiert im US-Bankensystem schon lange, wurde aber historisch gesehen hauptsächlich für Geschäftsbereiche wie Treuhanddienste und institutionelle Verwahrung genutzt. Ihr Kernwert liegt nicht im Geschäftsvolumen, sondern in der regulatorischen Aufsicht und der vorhandenen Infrastruktur.

 

Was impliziert eine Bundesverfassung?

 

Im dualen Bankensystem der USA können Finanzinstitute wählen, ob sie von den einzelnen Bundesstaaten oder der Bundesregierung reguliert werden möchten. Die beiden Regulierungsformen sind hinsichtlich der Strenge der Compliance-Anforderungen nicht einfach gleichwertig; es besteht ein deutlicher Unterschied in der Machtstruktur. Eine vom Office of the Comptroller of the Currency (OCC) ausgestellte Bundesbanklizenz bedeutet, dass ein Institut direkt von der US-amerikanischen Finanzbehörde reguliert wird und von der „Bundesvorrangregelung“ profitiert. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, sich in Bezug auf Compliance und Geschäftstätigkeit individuell an die regulatorischen Bestimmungen jedes einzelnen Bundesstaates anzupassen.

 

Die rechtliche Grundlage hierfür findet sich im National Bank Act von 1864. In den darauffolgenden anderthalb Jahrhunderten hat sich dieses System zu einem zentralen institutionellen Instrument der USA entwickelt, um einen einheitlichen Finanzmarkt zu schaffen. Dies ist insbesondere für Krypto-Unternehmen von entscheidender Bedeutung.

 

Vor dieser Genehmigung mussten Unternehmen wie Circle, Ripple und Paxos, um landesweit in den USA gesetzeskonform tätig sein zu können, in jedem der 50 Bundesstaaten eine Geldtransferlizenz (Money Transmitter License, MTL) beantragen. Dabei sahen sie sich einem komplexen System mit völlig unterschiedlichen Regulierungsrichtlinien, Compliance-Anforderungen und Durchsetzungsmaßnahmen gegenüber. Dies war nicht nur kostspielig, sondern schränkte auch die Effizienz der Geschäftsausweitung erheblich ein.

 

Durch die Umwandlung in eine bundesstaatliche Treuhandbank verlagert sich die Aufsicht von den einzelnen staatlichen Finanzaufsichtsbehörden auf das OCC. Für die Unternehmen bedeutet dies einen einheitlichen Compliance-Prozess, eine landesweite Geschäftsberechtigung und eine strukturelle Stärkung der regulatorischen Glaubwürdigkeit.

 

Treuhandbanken sind keine „kleinen Geschäftsbanken“.

 

Es ist wichtig zu betonen, dass eine bundesstaatliche Treuhandbank nicht mit einer „Vollservice-Geschäftsbank“ gleichzusetzen ist. Die fünf diesmal zugelassenen Institute dürfen keine durch die FDIC versicherten öffentlichen Einlagen entgegennehmen oder gewerbliche Kredite vergeben. Dies ist auch einer der Hauptgründe, warum traditionelle Bankenverbände (wie das Bank Policy Institute) diese Regelung infrage gestellt haben, da sie darin „ungleiche Rechte und Pflichten“ hinsichtlich des Zugangs sehen.

 

Aus Sicht der Geschäftsstrukturen von Kryptounternehmen sind diese Einschränkungen jedoch weitgehend aufeinander abgestimmt. Nehmen wir beispielsweise Emittenten von Stablecoins wie Circles USDC oder Ripples RLUSD: Deren Geschäftsmodell basiert auf einer hundertprozentigen Deckung durch Reservevermögen. Stablecoins betreiben keine Kreditvergabe und nutzen kein Modell der fraktionellen Reservehaltung. Daher besteht kein systemisches Risiko durch die Laufzeitdiskrepanz zwischen Einlagen und Krediten, mit der traditionelle Banken konfrontiert sind. Unter diesen Umständen ist die Einführung einer Einlagensicherung durch die FDIC nicht nur unnötig, sondern würde den Aufwand für die Einhaltung der Vorschriften auch erheblich erhöhen.

 

Noch wichtiger ist jedoch, dass der Kern einer Trust-Bank-Lizenz in der treuhänderischen Verantwortung liegt. Dies bedeutet, dass ein lizenziertes Institut Kundengelder rechtlich von seinen eigenen Mitteln trennen und die Interessen seiner Kunden priorisieren muss. Dieser Punkt ist, insbesondere nach dem Vorfall um die Veruntreuung von Kundengeldern bei FTX, von großer praktischer Bedeutung für die gesamte Kryptoindustrie, in der die Vermögenstrennung nicht länger ein Versprechen des Unternehmens, sondern eine gesetzliche Pflicht ist.

 

 

Vom „Verwalter“ zum „Siedlungsknoten“

 

Eine weitere tiefgreifende Folge dieses Wandels ist die grundlegende Neuausrichtung der Regulierungsbehörden hinsichtlich des Tätigkeitsbereichs von „Trust Banks“. OCC-Chef Jonathan Gould erklärte ausdrücklich, dass die neue Bundesbanklizenz „Verbrauchern neue Produkte, Dienstleistungen und Kreditquellen bietet und sicherstellt, dass das Bankensystem dynamisch, wettbewerbsfähig und vielfältig bleibt“. Damit wurde die politische Grundlage für die Akzeptanz von Kryptoinstituten geschaffen.

 

In diesem Kontext birgt der Übergang von staatlich konzessionierten Treuhandbanken zu bundesstaatlichen Treuhandbanken für Paxos und BitGo einen strategischen Wert, der weit über eine bloße Namensänderung hinausgeht. Der Kernpunkt liegt darin, dass die OCC-Regelungen bundesstaatlichen Treuhandbanken ein entscheidendes Recht einräumen: die Berechtigung, Zugang zu den Zahlungssystemen der Fed zu beantragen. Ihr eigentliches Ziel ist daher nicht der Titel „Bank“, sondern der direkte Zugang zum zentralen Abwicklungssystem der Zentralbank.

 

Nehmen wir beispielsweise Paxos. Obwohl das Unternehmen unter der strengen Aufsicht des New Yorker Finanzdienstleistungsministeriums bereits einen Compliance-Standard gesetzt hatte, stieß eine staatliche Lizenz naturgemäß an ihre Grenzen: Eine direkte Integration in das bundesweite Zahlungsnetzwerk war nicht möglich. Das Genehmigungsdokument des OCC stellt klar, dass das neue Unternehmen nach der Umwandlung weiterhin im Bereich Stablecoins, Asset-Tokenisierung und der Verwahrung digitaler Vermögenswerte tätig sein kann. Dies bedeutet im Wesentlichen die formale Anerkennung auf institutioneller Ebene, dass die Ausgabe von Stablecoins und Asset-Tokenisierung zu legitimen Bankgeschäften geworden ist. Dies ist nicht nur ein Durchbruch für einzelne Unternehmen, sondern eine substanzielle Erweiterung des Spektrums von Bankfunktionen.

 

Nach der Implementierung können diese Institute direkt an Zentralbank-Zahlungssysteme wie Fedwire oder CHIPS angebunden werden und sind nicht mehr auf traditionelle Geschäftsbanken als Intermediäre angewiesen. Der Übergang von einem „Vermögensverwalter“ zu einem „direkten Knotenpunkt im Zahlungsnetzwerk“ ist der strukturell bedeutendste Durchbruch dieser regulatorischen Umstrukturierung.

 

Der unschätzbare Wert dieser Charta

 

Der wahre Wert einer Bundestreuhandbanklizenz liegt nicht in der Identität einer „Bank“ selbst, sondern in der Möglichkeit, dass sie den Weg zu einem direkten Zugang zum Clearing-System der Federal Reserve geebnet hat.

 

Aus diesem Grund bezeichnete Ripple-CEO Brad Garlinghouse die Genehmigung als „großen Fortschritt“, während das Bank Policy Institute (BPI) sichtlich besorgt war. Für Ripple bedeutet dies mehr Effizienz und Planungssicherheit; für das BPI hingegen eine Umverteilung des langjährigen Monopols auf die Finanzinfrastruktur.

 

Direkter Zugang zur Federal Reserve – Was bedeutet das?

 

Bislang agierten Kryptounternehmen stets am Rande des Dollar-Systems. Ob Circle USDC ausgibt oder Ripple grenzüberschreitende Zahlungsdienste anbietet – jede endgültige Abrechnung in US-Dollar muss über eine Geschäftsbank als Vermittler erfolgen. Dieses Modell ist in der Finanzsprache als Korrespondenzbankensystem bekannt. Auch wenn es oberflächlich betrachtet nur ein längerer Prozess zu sein scheint, hat es tatsächlich drei langjährige Probleme in der Branche verursacht.

 

Erstens besteht die Unsicherheit hinsichtlich der Überlebensrechte. In den letzten Jahren sah sich die Kryptoindustrie mehrfach mit Fällen konfrontiert, in denen Banken ihre Dienstleistungen einseitig einstellten. Sobald die Korrespondenzbank aussteigt, werden die Fiat-Zahlungswege von Kryptounternehmen innerhalb kürzester Zeit abgeschnitten, was deren Geschäftstätigkeit zum Erliegen bringt. Dies wird in der Branche als „De-Risking“-Risiko bezeichnet.

 

Zweitens stellt sich die Frage nach Kosten und Effizienz. Das Korrespondenzbankenmodell bedeutet, dass jede Geldüberweisung mehrere Bankabwicklungsstufen durchlaufen muss, wobei jede Stufe mit Gebühren und Zeitverzögerungen verbunden ist. Für häufige Zahlungen und die Abwicklung von Stablecoins ist diese Struktur naturgemäß ungünstig.

 

Drittens besteht das Abwicklungsrisiko. Das traditionelle Bankensystem arbeitet in der Regel mit einem Abwicklungszyklus von T+1 oder T+2, wodurch Gelder nicht nur während des Transfers gebunden sind, sondern auch Bankkreditrisiken ausgesetzt sind. Als die Silicon Valley Bank 2023 zusammenbrach, hielt Circle vorübergehend USDC-Reserven in Höhe von rund 3,3 Milliarden US-Dollar im Bankensystem fest – ein Ereignis, das bis heute als warnendes Beispiel für die Branche gilt.

 

Die durch die Erlangung einer Bankidentität bei der Federal Reserve bewirkte Veränderung liegt genau in dieser Struktur. Auf institutioneller Ebene können lizenzierte Institute ein „Masterkonto“ bei der Federal Reserve beantragen. Nach der Genehmigung erhalten sie direkten Zugang zu Clearing-Netzwerken auf Bundesebene wie Fedwire und können so in Echtzeit unwiderrufliche und endgültige Abrechnungen innerhalb des Dollar-Systems durchführen, ohne auf zwischengeschaltete Geschäftsbanken angewiesen zu sein.

 

Dies bedeutet, dass Institutionen wie Circle und Ripple in der entscheidenden Phase der Fondsabwicklung zum ersten Mal auf der gleichen „Systemebene“ wie JPMorgan Chase und Citibank stehen.

 

Ultimativer Kostenvorteil, nicht marginale Optimierung

 

Die durch ein Masterkonto erzielte Kostenreduzierung ist strukturell und nicht nur geringfügig. Das Kernprinzip besteht darin, dass eine direkte Anbindung an die Zahlungssysteme der Federal Reserve (wie z. B. Fedwire) die mehrstufige Vermittlung durch traditionelle Korrespondenzbanken vollständig umgeht und somit die entsprechenden Vermittlungsgebühren und Aufschläge eliminiert.

 

Basierend auf Branchenpraktiken und dem öffentlichen Gebührenplan der Fed für 2026 können wir Hochrechnungen anstellen. Berechnungen zeigen, dass dieses Direktverbindungsmodell in Szenarien mit hoher Frequenz und hohem Wert, wie etwa bei der Ausgabe von Stablecoins und institutionellen Zahlungen, die gesamten Abwicklungskosten um etwa 30–50 % senken kann. Die Kostenreduzierung ergibt sich im Wesentlichen aus zwei Aspekten:

 

1. Direkter Gebührenvorteil: Die Gebühr der Federal Reserve für Fedwire-Zahlungen mit hohem Wert ist wesentlich niedriger als die Gebühren einer Geschäftsbank für Überweisungen.

 

2. Strukturelle Vereinfachung: Verschiedene Gebühren im Zusammenhang mit Korrespondenzbankgeschäften, Kontoführung und Liquiditätsmanagement entfallen.

 

 

Nehmen wir Circle als Beispiel: Die Verwaltung von fast 80 Milliarden US-Dollar an USDC-Reserven ist mit erheblichen täglichen Geldflüssen verbunden. Durch eine direkte Verbindung, bei der lediglich die Gebühr für den Zahlungskanal anfällt, könnten jährliche Einsparungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar erzielt werden. Dies ist keine marginale Optimierung, sondern eine grundlegende Kostenrestrukturierung auf Ebene des Geschäftsmodells.

 

Daher ist der Kostenvorteil, der sich aus der Führung eines Masterkontos ergibt, erheblich und sicher und schlägt sich direkt im Kern des Wettbewerbsvorteils eines Stablecoin-Emittenten hinsichtlich Gebühren und betrieblicher Effizienz nieder.

 

Die rechtlichen und finanziellen Merkmale von Stablecoins entwickeln sich weiter.

 

Wenn ein Stablecoin-Emittent als Federal Trust Bank agiert, verändern sich auch die Eigenschaften seines Produkts. Im alten Modell ähnelten USDC oder RLUSD eher einem „digitalen Token eines Technologieunternehmens“, dessen Sicherheit stark von der Governance des Emittenten und der Stabilität der Partnerbanken abhing. In der neuen Struktur werden die Stablecoin-Reserven in einem Treuhandsystem unter dem regulatorischen Rahmen des OCC (Office of the Comptroller of the Currency) verwaltet und sind rechtlich vom Vermögen des Emittenten getrennt.

 

Dies ist nicht mit einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) gleichzusetzen und unterliegt auch keiner FDIC-Einlagensicherung, aber durch die Kombination aus „100 % vollständigen Reserven + Regulierung auf Bundesebene + Treuhandverpflichtungen“ ist die Kreditwürdigkeit deutlich höher als bei den meisten Offshore-Stablecoin-Produkten.

 

Ein konkreterer Effekt zeigt sich im Zahlungsverkehr. Am Beispiel von Ripple lässt sich verdeutlichen, dass dessen On-Demand-Liquidity-Produkt (ODL) lange Zeit durch Banköffnungszeiten und die Verfügbarkeit von Fiatgeld eingeschränkt war. Nach der Integration in das bundesweite Clearing-System unterliegt der Wechsel zwischen Fiat- und On-Chain-Vermögenswerten keinen zeitlichen Beschränkungen mehr, was die Kontinuität und Sicherheit grenzüberschreitender Zahlungen deutlich verbessert.

 

Marktreaktion, stattdessen rationaler

 

Obwohl diese Entwicklung in der Branche als Meilenstein gilt, fiel die Marktreaktion nicht drastisch aus. Sowohl bei XRP als auch bei USDC-bezogenen Vermögenswerten waren die Preisänderungen relativ gering. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Wert der Lizenz unterschätzt wird; vielmehr deutet es darauf hin, dass der Markt sie bereits als langfristige institutionelle Veränderung und nicht als kurzfristiges Handelsthema betrachtet.

 

Ripple-CEO Brad Garlinghouse bezeichnete diese Entwicklung als „Goldstandard auf dem Weg zur Einhaltung der Stablecoin-Vorschriften“. Er betonte nicht nur, dass RLUSD nun der doppelten Regulierung durch die Bundesbehörde (OCC) und die Landesbehörde (NYDFS) unterliegt, sondern griff auch die Lobbygruppen der traditionellen Banken direkt an: „Eure wettbewerbswidrigen Taktiken sind entlarvt. Ihr beschwert euch, dass sich die Kryptoindustrie nicht an die Regeln hält, aber jetzt unterliegen wir direkt den Regulierungsstandards der OCC. Wovor habt ihr Angst?“

 

 

Gleichzeitig wies Circle in einer damit zusammenhängenden Stellungnahme darauf hin, dass die nationale Treuhandbanklizenz das institutionelle Vertrauen grundlegend verändern und es Emittenten ermöglichen werde, institutionellen Kunden mehr treuhänderisch geführte Verwahrungsdienstleistungen für digitale Vermögenswerte anzubieten.

 

Die Aussagen beider Parteien stimmen überein: Vom „Service durch Banken“ zum „Teil der Banken werden“ – die Kryptofinanzierung tritt in eine völlig neue Phase ein. Die Bundeslizenz für Treuhandbanken ist nicht nur eine Lizenz, sondern auch ein sicherer Weg in den Kryptomarkt für institutionelles Kapital, das aufgrund von Compliance-Unsicherheiten bisher abgewartet hat.

 

Das „Goldene Zeitalter“ der Trump-Ära und der „GENIUS Act“

 

Wenn wir drei bis vier Jahre zurückblicken, wäre es schwer vorstellbar, dass Krypto-Unternehmen bis Ende 2025 staatlich als „Banken“ anerkannt werden könnten. Auslöser für diesen Wandel war kein technologischer Durchbruch, sondern eine grundlegende Veränderung des politischen und regulatorischen Umfelds.

 

Die Rückkehr der Trump-Administration und die Umsetzung des „GENIUS Act“ ebneten gemeinsam den Weg für den Zugang von Kryptofinanzen zum föderalen Finanzsystem.

 

Von der „Entbankung“ zur institutionellen Akzeptanz

 

Während der Amtszeit von Präsident Biden befand sich die Kryptoindustrie in einer langen Phase strenger Regulierung und großer Unsicherheit. Insbesondere nach dem Zusammenbruch von FTX im Jahr 2022 verlagerte sich der regulatorische Fokus hin zur „Risikoisolierung“, was das Bankensystem dazu verpflichtete, sich von Krypto-Unternehmen fernzuhalten.

 

Diese Phase wurde intern in der Branche als „Debanking“ bezeichnet und von einigen Abgeordneten auch als „Operation Choke Point 2.0“ gebrandmarkt. Laut einer anschließenden Untersuchung des Finanzausschusses des Repräsentantenhauses brachen mehrere Banken unter informellem regulatorischem Druck ihre Verbindungen zu Krypto-Unternehmen ab. Die aufeinanderfolgenden Insolvenzen der Silvergate Bank und der Signature Bank waren die prominentesten Beispiele für diesen Trend.

 

Die regulatorische Logik war damals sehr klar: Anstatt das kryptografische Risiko mühsam zu regulieren, war es besser, es außerhalb des Bankensystems zu isolieren.

 

 

Diese Logik erfuhr im Jahr 2025 eine grundlegende Umkehrung.

 

Während des Wahlkampfs unterstützte Trump die Kryptowährungsbranche mehrfach öffentlich und betonte, die USA zum „globalen Innovationszentrum für Kryptowährungen“ machen zu wollen. Nach seiner Wiedereinsetzung ins Amt wurden Kryptowährungsanlagen nicht mehr nur als Risikoquelle betrachtet, sondern in eine umfassendere finanzielle und strategische Betrachtung einbezogen.

 

Der entscheidende Wandel bestand darin, dass Stablecoins als Instrument zur Erweiterung des Dollar-Systems betrachtet wurden. Am Tag der Unterzeichnung des „GENIUS Act“ stellte das Weiße Haus klar, dass regulierte USD-Stablecoins die US-Staatsanleihennachfrage steigern und die internationale Stellung des US-Dollars im digitalen Zeitalter festigen. Dies definierte die Rolle von Stablecoin-Emittenten im US-Finanzsystem grundlegend neu.

 

Institutionelle Rolle des "GENIUS Act"

 

Im Juli 2025 unterzeichnete Trump den „GENIUS Act“. Die Bedeutung dieses Gesetzes liegt darin, dass es erstmals eine klare Rechtspersönlichkeit für Stablecoins und damit verbundene Institutionen auf Bundesebene schuf. Das Gesetz erlaubt es Nichtbanken ausdrücklich, nach Erfüllung bestimmter Bedingungen als „qualifizierte Emittenten von Zahlungs-Stablecoins“ unter Bundesaufsicht zu agieren. Dies ermöglichte Unternehmen wie Circle und Paxos, die ursprünglich außerhalb des Bankensystems tätig waren, einen systemischen Zugang zum Bundesrahmen.

 

Noch wichtiger war jedoch die strenge Anforderung an die Reservevermögen: Stablecoins müssen zu 100 % durch US-Dollar oder hochliquide Vermögenswerte wie kurzfristige US-Staatsanleihen gedeckt sein. Dies schloss algorithmische Stablecoins und risikoreiche Anlagen praktisch aus und entsprach weitgehend dem Trust-Banking-Modell „Keine Kreditvergabe, keine Investition“.

 

Darüber hinaus legte das Gesetz eine Priorität für die Einlösung von Stablecoins fest. Selbst im Falle einer Insolvenz des Emittenten müssen die entsprechenden Reservevermögen vorrangig zur Einlösung der Stablecoins verwendet werden. Diese Bestimmung reduzierte die regulatorischen Bedenken hinsichtlich eines „moralischen Risikos“ erheblich und stärkte die Glaubwürdigkeit von Stablecoins auf institutioneller Ebene.

 

In diesem Rahmen wurde die Vergabe von Bundestreuhandbanklizenzen an Kryptowährungsunternehmen durch das OCC naturgemäß zu einer konformen institutionellen Umsetzung.

 

Verteidigung des traditionellen Finanzwesens und zukünftige Herausforderungen

 

Für die Kryptowährungsbranche bedeutete dies einen längst überfälligen institutionellen Durchbruch; für die etablierten Banken der Wall Street hingegen kam es einer Gebietsinvasion gleich, die es abzuwehren galt. Die Genehmigung des OCC für fünf Kryptowährungsunternehmen, sich in bundesstaatliche Treuhandbanken umzuwandeln, stieß nicht auf uneingeschränkte Zustimmung, sondern löste umgehend heftigen Widerstand seitens des traditionellen Bankenverbandes aus, vertreten durch das Bank Policy Institute (BPI). Der Kampf zwischen „neuen und alten Banken“ hat gerade erst begonnen.

 

Der heftige Gegenangriff der BPI: Drei zentrale Vorwürfe

 

Die BPI vertritt die Interessen von Wirtschaftsgiganten wie JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung des OCC äußerte deren Führungsspitze kritische Bedenken, wobei das Kernargument direkt auf einen tiefgreifenden Konflikt in der Regulierungsphilosophie hinwies.

 

Erstens besteht das Problem der „Wölfe im Schafspelz“ durch regulatorische Arbitrage. Die BPI weist darauf hin, dass diese Kryptoinstitute, die eine „Trust“-Lizenz beantragen, tatsächlich Kernfunktionen des Bankwesens wie Zahlungsverkehr und Clearing ausüben und dabei eine systemrelevante Rolle spielen, die sogar die vieler mittelständischer Geschäftsbanken übertrifft.

 

Durch die Treuhandcharta umgehen ihre Muttergesellschaften (wie beispielsweise Circle Internet Financial) jedoch geschickt die von der Fed vorgeschriebene konsolidierte Aufsicht über eine „Bankholdinggesellschaft“. Dies bedeutet, dass die Aufsichtsbehörden keine Befugnis haben, die Softwareentwicklung oder externe Investitionen der Muttergesellschaft zu überprüfen – sollte eine Code-Schwachstelle in der Muttergesellschaft zu Verlusten von Bankvermögen führen, bestünde ein erhebliches Risiko in einem aufsichtsrechtlichen blinden Fleck.

 

Zweitens wird der heilige Grundsatz der „Trennung von Bankwesen und Handel“ untergraben. Die BPI warnt davor, dass die Übernahme von Banken durch Technologieunternehmen wie Ripple und Circle die Schutzbarriere, die Großkonzerne daran hindert, Bankgelder für Subventionen zu missbrauchen, faktisch aufhebt. Was traditionelle Banken noch mehr stört, ist der unfaire Wettbewerb: Technologieunternehmen können ihre monopolistischen Vorteile in sozialen Netzwerken und Datenströmen nutzen, um Banken zu verdrängen, ohne die Verpflichtungen des Community Reinvestment Act (CRA) erfüllen zu müssen, denen traditionelle Banken unterliegen.

 

Schließlich besteht die Sorge um systemische Risiken und das Fehlen eines Sicherheitsnetzes. Da diese neuen Treuhandbanken nicht durch die FDIC abgesichert sind, kann die traditionelle Einlagensicherung im Falle einer Panik am Markt aufgrund einer Destabilisierung von Stablecoins nicht als Puffer dienen. Die BPI argumentiert, dass sich dieser ungeschützte Liquiditätsansturm rasch ausbreiten und zu einer systemischen Krise ähnlich der von 2008 entwickeln würde.

 

Die „letzte Hürde“ der Fed

 

Der Erhalt einer Charta vom OCC bedeutet nicht automatisch einen reibungslosen Ablauf. Für diese fünf neu gegründeten „Federal Trust Banks“ liegt die letzte und entscheidendste Hürde für den Zugang zum Zahlungssystem der Federal Reserve – die Genehmigung zur Eröffnung eines Masterkontos – weiterhin allein bei der Fed.

 

Obwohl das OCC ihren Bankstatus anerkannt hat, verfügt die Federal Reserve im dualen Bankensystem der USA über unabhängige Entscheidungsbefugnisse. Zuvor hatte die in Wyoming ansässige Kryptobank Custodia Bank einen langwierigen Rechtsstreit angestrengt, nachdem ihr von der Fed ein Masterkonto verweigert worden war. Dies verdeutlicht, dass zwischen dem Erhalt einer Banklizenz und dem tatsächlichen Zugang zu Fedwire weiterhin eine erhebliche Lücke besteht.

 

Dies ist auch das nächste Hauptschlachtfeld der Lobbyarbeit der traditionellen Bankenbranche. Da sie die OCC nicht an der Erteilung von Lizenzen hindern können, werden die traditionellen Banken die Federal Reserve zwangsläufig unter Druck setzen, sehr hohe Anforderungen an die Genehmigung von Primärkonten zu stellen – beispielsweise indem sie von diesen Instituten den Nachweis verlangen, dass ihre Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) mit denen von Universalbanken wie JPMorgan Chase vergleichbar sind, oder indem sie von ihren Muttergesellschaften zusätzliche Kapitalreserven fordern.

 

Für Ripple und Circle beginnt nun die zweite Hälfte: Sollten sie zwar eine Lizenz erhalten, aber kein Hauptkonto bei der Federal Reserve eröffnen können, bleiben ihnen nur die Möglichkeiten eines Agenturmodells. Das Prestige einer „Nationalbank“ wird dadurch erheblich gemindert.

 

Fazit: Die Zukunft – mehr als nur regulatorische Spielchen

 

Es ist absehbar, dass sich dieses Spiel rund um Krypto-Banking in Zukunft nicht auf die Lizenzierungsebene beschränken wird.

 

Einerseits bleibt die Haltung der staatlichen Regulierungsbehörden weiterhin unklar. Starke staatliche Aufsichtsbehörden wie das New York State Department of Financial Services (NYDFS) spielen seit Langem eine führende Rolle bei der Kryptoregulierung. Mit der zunehmenden Bundespräemption könnte die Frage, ob die staatliche Regulierungsbefugnis geschwächt wird, neue Rechtsstreitigkeiten auslösen.

 

Andererseits sind zwar bereits Maßnahmen des „GENIUS Act“ in Kraft getreten, doch müssen die Aufsichtsbehörden noch zahlreiche detaillierte Durchführungsbestimmungen ausarbeiten. Spezifische Regelungen, etwa zu Kapitalanforderungen, Risikoabgrenzung und Cybersicherheitsstandards, werden in absehbarer Zeit im Mittelpunkt der Politik stehen. Das Kräftemessen der verschiedenen Interessengruppen dürfte sich daher auf diese technischen Aspekte konzentrieren.

 

Darüber hinaus sind auch Veränderungen auf Marktebene bemerkenswert. Mit dem Erreichen des Bankstatus von Kryptoinstituten könnten diese sowohl zu Partnern traditioneller Finanzinstitute als auch zu potenziellen Übernahmekandidaten werden. Unabhängig davon, ob traditionelle Banken Kryptoinstitute erwerben, um ihre technologischen Kompetenzen zu ergänzen, oder ob Kryptounternehmen umgekehrt in den Bankensektor einsteigen, könnte die Finanzlandschaft strukturelle Veränderungen erfahren.

 

Sicher ist, dass diese Genehmigung durch das OCC nicht das Ende der Kontroverse, sondern einen Neuanfang markiert. Kryptowährungen haben den institutionellen Mainstream erreicht, doch die Frage, wie Innovation, Stabilität und Wettbewerb in Einklang gebracht werden können, bleibt die zentrale Herausforderung für die US-Finanzregulierung in den kommenden Jahren.

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