Südkoreas Zentralbank erhöht Leitzins erneut auf 3% – Inflations- und Finanzrisiken bleiben
wallstreetcnDie südkoreanische Zentralbank (Bank of Korea) hat am Donnerstag den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3% angehoben – die zweite Erhöhung in Folge –, um dem starken Wirtschaftswachstum und dem anhaltend hohen Inflationsdruck zu begegnen. Eines der sieben Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses stimmte für eine unveränderte Zinspolitik. Gleichzeitig hob die Zentralbank ihre Prognose für das BIP-Wachstum 2026 deutlich auf 3,3% an. Sie verwies zudem auf Finanzstabilitätsrisiken wie den anhaltenden Anstieg der Immobilienpreise in Seoul und die wachsende Verschuldung der privaten Haushalte.
Am Donnerstag erhöhte die Bank of Korea den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3% – die zweite Erhöhung in Folge –, um dem über den Erwartungen liegenden Wirtschaftswachstum und der weiterhin über dem Zielwert liegenden Inflation entgegenzuwirken.
Die Zentralbank erklärte, die Entscheidung sei nicht einstimmig gefallen: Eines der sieben Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses stimmte für ein unverändertes Zinsniveau.
Zugleich hob die Bank of Korea ihre Prognose für das BIP-Wachstum 2026 deutlich auf 3,3% an – ein kräftiger Anstieg gegenüber der Mai-Prognose von 2,6% – und untermauerte damit das Signal einer weiterhin straffen Geldpolitik.
Die Zentralbank rechnet damit, dass die Inflation noch für geraume Zeit über dem Zielwert bleiben wird, und bekräftigte ihre Absicht, eine Geldpolitik fortzusetzen, die die Verbraucherpreisinflation auf dem Zielniveau stabilisiert.
Sie betonte zugleich, dass die heimische Wirtschaft dank des kräftigen Export- und Investitionswachstums weiterhin robust expandieren und sich auch die Konsumerholung allmählich beschleunigen werde.
Die jetzige Zinserhöhung folgt auf die Anhebung im Juli – die erste seit Januar 2023. Nach der Bekanntgabe legte der südkoreanische Won gegenüber dem US-Dollar zu, während die Renditen koreanischer Staatsanleihen stiegen.
Zinsentscheidung blieb bis zuletzt offen
Vor der Bekanntgabe waren die Markterwartungen geteilt; der Ausgang galt als weitgehend offen.
Laut einer Bloomberg-Umfrage unter 22 Ökonomen hatten 14 mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte gerechnet, 8 mit unveränderten Zinsen. In Umfragen einiger südkoreanischer Medien fielen die Erwartungen noch ausgeglichener aus.
Befürworter einer Zinspause hatten zuvor auf die jüngste deutliche Aufwertung des Won als Grund für geringeren Handlungsdruck verwiesen.
Seit der Juli-Sitzung hat der Won kräftig zugelegt, die Marke von 1.400 Won je US-Dollar durchbrochen und in diesem Monat alle asiatischen Vergleichswährungen übertroffen. Am Dienstagnachmittag (Ortszeit Seoul) notierte der Won bei rund 1.383 – nahe dem stärksten Stand seit elf Monaten –, was theoretisch dazu beiträgt, importierte Inflation zu dämpfen.
Letztlich stützte jedoch die robustere Konjunktur die Entscheidung für eine Zinserhöhung. Das staatliche Korea Development Institute prognostiziert für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 3,2%, von Bloomberg befragte private Ökonomen rechnen sogar mit einem noch schnelleren Expansionstempo.
Inflationspfad mit vielfältigen Unsicherheiten
Die Bank of Korea beließ ihre Prognose für den Anstieg der Verbraucherpreise 2026 bei 2,7% – unverändert gegenüber der Mai-Prognose.
Gleichwohl betonte sie, dass der künftige Inflationsverlauf mit hoher Unsicherheit behaftet sei, vor allem im Zusammenhang mit Ölpreisschwankungen, Wechselkursentwicklungen, dem Tempo der Binnennachfrageerholung und dem Ausmaß der Lohnweitergabe.
Zuvor hatten Marktteilnehmer erwartet, dass die Inflationsprognose gegenüber den 2,7% aus dem Mai-Bericht angehoben werden könnte – unter anderem wegen gestiegener Ölpreise, der Won-Abwertung seit Jahresbeginn und der Übertragungseffekte des Halbleiterbooms auf Investitionen und Konsum.
Die Zentralbank verwies zudem auf mehrere Finanzstabilitätsrisiken: Die Immobilienpreise im Großraum Seoul steigen seit 81 Wochen in Folge, die Verschuldung der privaten Haushalte nimmt weiter zu, und gehebelte Aktieninvestments haben zugenommen.
Die südkoreanische Regierung hat bereits höhere Steuern auf hochpreisige Immobilien und Anlageimmobilien vorgeschlagen, um die Nachfrage am Wohnungsmarkt zu dämpfen.
Markt richtet Blick auf weiteren Straffungskurs
Nach der Zinserhöhung richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger rasch auf die Forward Guidance zum künftigen Zinspfad. Erstmals seit Mai wird der sechsmonatige Zinsdotplot aktualisiert; der Markt wird darin nach Signalen für eine weitere Straffung suchen.
Zentralbankgouverneur Shin Hyun Song hatte zuvor erklärt, dass angesichts der weiterhin über dem Zielwert liegenden Inflation, des robusten Wirtschaftswachstums und fortbestehender Finanzstabilitätsrisiken eine straffe Ausrichtung notwendig sei.
Aus dem Sitzungsprotokoll vom Juli geht hervor, dass die Ausschussmitglieder überwiegend der Ansicht waren, die Geldpolitik solle weiter gestrafft werden; mehrere Vertreter betonten jedoch, Zeitpunkt und Tempo weiterer Schritte sollten von den künftigen Daten abhängen.
Die Bank of Korea unterstrich zugleich, dass das Ausmaß der Expansion im Chipsektor, die Entwicklung im Nahen Osten und Veränderungen im globalen Handelsumfeld weiterhin die wesentlichen Unsicherheitsfaktoren für die Konjunktur darstellten. Sie werde Inflation, Binnenwirtschaft und Finanzstabilität fortlaufend bewerten.
Dieser Inhalt dient nur zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Investitionsberatung in Bezug auf BTCC dar. BTCC unternimmt alle Anstrengungen, kann jedoch nicht die Wahrheit, Genauigkeit oder Originalität des oben stehenden Inhalts garantieren.