Japans Zinsen auf 1996er-Niveau: Übersteht Bitcoins Entkopplung eine Zinserhöhung im September?
Originalautor: Ashrith Rao
Originalübersetzung: Saoirse, Foresight News
Japans inländische Kreditkosten haben den höchsten Stand seit 1996 erreicht. Am selben Morgen erreichte die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen 4,185 %, die Rendite 10-jähriger Anleihen lag bei 2,945 %.
Für ein Land, das lange auf Negativzinsen zur Bekämpfung der Deflation gesetzt hat, ist dies eine massive strukturelle Verschiebung.
Unterdessen ist Bitcoin in der vergangenen Woche um 22 % gestiegen und hat erstmals seit Mai die Marke von 80.000 US-Dollar durchbrochen. Der zentrale Widerspruch, den dieser Artikel untersucht, ist: Japans Anleihemarkt ist in Aufruhr, doch der Kryptomarkt zeigt relative Widerstandsfähigkeit.
Die zugrunde liegende Logik des Carry Trades
In den vergangenen Jahren war der Yen-Carry-Trade eine treibende Kraft für globale Risikoanlagen. Anleger leihen sich günstige Yen, tauschen sie in Dollar und kaufen dann höher verzinste Anlagen.
Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben Offshore-Nichtbanken etwa 250 Milliarden US-Dollar in Yen geliehen; bei einer breiteren Messung könnte diese Zahl 500 Milliarden US-Dollar erreichen. Diese massive Hebelwirkung beruht auf einer Kernannahme: dass die japanischen Zinsen langfristig nahe null bleiben. Die aktuelle Realität hat diese alte Annahme widerlegt.
Im Juni erhöhte die Bank of Japan ihren Leitzins auf 1,0 %, den höchsten Stand seit 31 Jahren.
Der Markt erwartet weithin eine weitere Zinserhöhung auf der geldpolitischen Sitzung am 17. und 18. September. Japans einzigartiges geldpolitisches Umfeld der vergangenen drei Jahrzehnte löst sich auf, und die Rendite 10-jähriger Anleihen von 2,88 % ist weit mehr als eine kalte Zahl. Wenn der Yen schnell aufwertet, können Carry-Trade-Positionen im Handumdrehen von Gewinn zu Verlust kippen.
Praneet Shah von Goldman Sachs sagte: „Eine einzige Wechselkursbewegung kann die gesamte annualisierte Rendite der Position vollständig auslöschen.“
Dies zeigte sich im August 2024: Aufgrund der Yen-Aufwertung fiel Bitcoin am 5. August von rund 64.600 US-Dollar auf 49.000 US-Dollar. Der Tokyo Stock Price Index (TOPIX) stürzte an einem einzigen Tag um 12 % ab.
Aber die Lage ist jetzt anders.
In diesem Monat hat der Yen mehr als die Hälfte der Gewinne aus den Währungsinterventionen wieder abgegeben und schwächt sich derzeit ab, er notiert bei etwa 159 zum Dollar. Ein schwächerer Yen macht den Carry Trade wieder attraktiv, daher verdienen die künftigen politischen Schritte der Bank of Japan in Bezug auf den Yen besondere Aufmerksamkeit.
Die Schuldenklippe
Ende Juni erreichte Japans Staatsverschuldung einen Rekordwert von 1.346 Billionen Yen (entspricht 9,1 Billionen US-Dollar). Die Regierung prognostiziert, dass die Verschuldung bis zum Ende dieses Fiskaljahres auf 1.492 Billionen Yen steigen wird. Premierministerin Takaichi Sanae kündigte an, dass die Verbrauchssteuer ab April 2027 für zwei Jahre auf 1 % gesenkt wird, wodurch eine zusätzliche Haushaltslücke von 5 Billionen Yen entsteht.
Daraus ergibt sich ein schwieriges Dilemma: Japan braucht höhere Zinsen, um den Yen zu stabilisieren und die Inflation zu dämpfen, aber Zinserhöhungen werden die Zinslast der enormen Verschuldung erheblich erhöhen.
Die Bank of Japan kündigte an, das Tempo der Bilanzreduzierung ab April 2027 zu verlangsamen, was signalisiert, dass die Politik der Marktstabilität Vorrang vor einer raschen Normalisierung einräumt. Dennoch hat der Anleihemarkt deutlich mangelndes Vertrauen gezeigt.
Japan verkaufte einen Teil seiner US-Staatsanleihen, um die Währungsintervention im August zu finanzieren. Im Juni sanken seine Bestände an US-Staatsanleihen um 26,4 Milliarden US-Dollar auf 1,117 Billionen US-Dollar. Dies war der größte monatliche Abbau aller Länder und trieb die Rendite 10-jähriger US-Anleihen direkt auf 4,74 %.
Der Schuldendruck ist nicht auf Japan beschränkt; er spiegelt einen breiteren globalen Schuldenanpassungstrend wider, und eine der Ursachen des Problems liegt in den Vereinigten Staaten.
Bitcoins Entkopplungsillusion
Inmitten all dieser makroökonomischen Turbulenzen ist Bitcoin nahezu unbeeindruckt geblieben und hält sich über 78.700 US-Dollar. Diese Widerstandsfähigkeit stellt die traditionelle Logik der „Risikobereitschaft“ infrage. Die entscheidende Frage ist: Handelt es sich um eine echte Marktentkopplung oder um eine kurze Illusion vor dem Sturm?
Das pessimistische Szenario ist klar: Wenn die Bank of Japan die Zinsen aggressiv erhöht und der Yen stärker wird, würde eine konzentrierte Auflösung von Carry Trades eine Deleveraging-Welle bei globalen Risikoanlagen auslösen.
Beim Ausverkauf im August 2024 war Bitcoin stark mit japanischen Aktien korreliert, was beweist, dass Bitcoin nicht isoliert bleiben kann. Zudem werden verzinsliche Anlagen attraktiver, wenn die japanischen Renditen steigen, während Bitcoin, das keine Zinsen zahlt, relativ an Attraktivität verliert.
Das optimistische Szenario bietet eine andere Möglichkeit. Wenn der Yen weiter schwächelt, könnte Bitcoin für japanische Anleger zu einer attraktiven sicheren Anlageoption werden.
Das ist nicht rein theoretisch. Ray Dalio glaubt, dass Japans Schuldensituation für eine Bitcoin-Allokation spricht, und empfiehlt eine kleine Bitcoin-Allokation neben 10–15 % in Gold.
Die institutionelle Beteiligung in Japan nimmt ebenfalls zu. Beispielsweise erhielt Laser Digital, die Krypto-Tochter von Nomura, die erste neue Krypto-Börsenlizenz in Japan seit vier Jahren. Eine Umfrage von Nomura zeigt, dass 79 % der Befragten planen, innerhalb der nächsten drei Jahre in Bitcoin zu investieren.
Japans überarbeitetes Finanzinstrumente- und Börsengesetz hat Kryptowährungen als Finanzprodukte neu eingestuft, was den Weg für Spot-Krypto-ETFs bis 2027 ebnen könnte, zusammen mit separaten Steuervorschriften. Die Japan Exchange Group könnte bereits 2027 Spot-Krypto-ETFs listen.
Während der regulatorische Rahmen klarer wird, bauen sich auch die makroökonomischen Belastungen auf.
Das September-Fenster für die politische Wende
Die nächste geldpolitische Sitzung der Bank of Japan ist für den 17. und 18. September angesetzt. Die meisten Institutionen erwarten eine Anhebung des Zinssatzes auf 1,25 %.
Der Anleihemarkt wird die Erwartungen vollständig einpreisen, aber Bitcoin könnte sie nicht vollständig verdauen. Was wirklich Vorsicht erfordert, ist nicht die Zinserhöhung selbst, sondern die Aussagen der Zentralbank zu künftigen politischen Beschränkungen.
Wenn die Bank of Japan signalisiert, dass 1 % nur ein Übergangsschritt in Richtung 2 % ist, wird der Yen schnell aufwerten und Carry Trades werden massiv aufgelöst. Wenn die Aussagen dagegen Bedenken hinsichtlich der Schuldentragfähigkeit widerspiegeln, die den Spielraum für Zinserhöhungen begrenzen, wird der Yen weiter schwächeln, und Bitcoin könnte von einem schwächeren Dollar und inländischen Käufen in Japan profitieren.
Das Renditeniveau von 1996 sollte als Risikowarnsignal betrachtet werden, nicht als Markttreiber. Was den Markt wirklich dominiert, ist die Richtung des Yen, nicht eine bestimmte Wechselkurszahl. Derzeit schwächelt der Yen und Bitcoin steigt. Wenn die Sitzung der Bank of Japan im September die vorherrschenden Markterwartungen ändert, könnte sich diese Korrelation abrupt umkehren.
Der aktuelle Marktkonsens ist, dass sich Japans Schuldenproblem langsam entwickeln wird, ohne einen plötzlichen Absturz. Bitcoin-Anleger warten nicht auf eine Umkehr des Carry Trades; sie handeln bereits auf der Grundlage von Erwartungen eines schwächeren Yen und anhaltender institutioneller Zuflüsse.
Diese Logik hat eine Chance zu halten, muss aber angesichts der japanischen Zinsgeschichte mit Vorsicht betrachtet werden. Zum ersten Mal seit dreißig Jahren nähert sich die Rendite 30-jähriger Anleihen 4 %, was unweigerlich weitreichende Auswirkungen auf den Markt haben wird.
Dieser Inhalt dient nur zu Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Investitionsberatung in Bezug auf BTCC dar. BTCC unternimmt alle Anstrengungen, kann jedoch nicht die Wahrheit, Genauigkeit oder Originalität des oben stehenden Inhalts garantieren.