Worauf sollten Sie bei der dieswöchigen Jackson Hole Konferenz achten?

chaincatcherchaincatcherAutor: Wall Street Journal

Autor: Wall Street Journal

 

Diese Woche treffen sich internationale Wirtschaftsexperten und Vertreter von Zentralbanken in Jackson Hole, Wyoming, zum jährlichen wirtschaftspolitischen Symposium der US-Notenbank. Da die Kommunikation der Zentralbanken im August relativ ruhig war und der Zinsentscheidungszyklus für den Herbst wieder anläuft, bietet dieses globale Zentralbanktreffen dem Markt ein wichtiges Zeitfenster, um geldpolitische Signale zu erfassen.

Der Fokus des Marktes liegt in diesem Jahr zweifellos auf dem Vorsitzenden der US-Notenbank, Waller. Laut Handelsberichten wird Waller am Freitag, den 28. August, um 10:00 Uhr Ostküstenzeit eine Grundsatzrede halten. Dies ist sein erster Auftritt in Jackson Hole seit seinem Amtsantritt als Fed-Chef. Im Vergleich zum Konferenzthema selbst dürften Wallers Aussagen zum Wirtschaftsausblick und zum künftigen Zinspfad die Markteinschätzung maßgeblich beeinflussen.

Goldman Sachs berichtet, dass Reden in Jackson Hole erfahrungsgemäß die Volatilität am Devisenmarkt deutlich verstärken. Insbesondere wenn Wallers geldpolitische Ausrichtung noch nicht vollständig klar ist, könnte der EUR/USD zu einem der sensibelsten Handelsfenster am Markt werden. Historische Daten zeigen jedoch, dass Reden zwar die Volatilität leicht erhöhen können, der Dollar aber keine stabile, einseitige Richtung aufweist.

 

Wallers Debüt: Der Inhalt der Rede bleibt ein Rätsel

Das vollständige Konferenzprogramm wird am 27. August (Donnerstag) um 20:00 Uhr Ostküstenzeit bekannt gegeben. Zu den bestätigten Hauptgästen zählen unter anderem Schnabel, Mitglied des EZB-Rats, Rosanna Costa, Präsidentin der chilenischen Zentralbank, und Adrian Orr, Gouverneur der Reserve Bank of New Zealand.

Wallers Keynote-Rede ist der am meisten erwartete Teil der gesamten Konferenz und wird als einzige Rede live im Fernsehen übertragen. Im Anschluss an die Rede findet jedoch keine Fragerunde statt. Andere Konferenzvorträge hingegen, die zwar nicht live übertragen werden, bieten im Anschluss Fragerunden an, und relevante Inhalte werden über Medienberichte an die Öffentlichkeit kommuniziert.

Das Besondere in diesem Jahr ist, dass Waller zuvor deutlich gemacht hat, dass er noch nicht entschieden hat, ob sich diese Rede auf das makroökonomische Gesamtbild konzentrieren oder, wie traditionelle Reden in Jackson Hole, eine Orientierungshilfe für den politischen Kurs von September bis Dezember bieten wird.

Goldman Sachs geht davon aus, dass diese Unsicherheit die Sensibilität des Marktes gegenüber Änderungen im Wortlaut deutlich erhöhen könnte. Waller erklärte, er hoffe, wichtige Fragen in der „hochgebirgigen Atmosphäre“ von Jackson Hole (in den Bergen Wyomings gelegen) klären zu können, was die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf seine politischen Aussagen zusätzlich verstärkt.

 

Nicht nur Wallers Rede ist wichtig, sondern auch die Äußerungen von Offiziellen abseits der Bühne.

Wenn die Grundsatzrede die Marktstimmung bestimmt, dann sind Fernsehinterviews möglicherweise ein direkterer Kanal, um die jüngste politische Ausrichtung zu beurteilen.

Während der Jackson Hole-Konferenz organisieren große Finanzmedien üblicherweise Interviews mit Vertretern der US-Notenbank (Federal Reserve) abseits der Bühne. Die Interviews beginnen am Mittwoch mit der Ankunft der Teilnehmer und dauern bis Freitag. Am Freitag werden voraussichtlich etwa fünf Vertreter der Federal Reserve von verschiedenen Medien interviewt, wobei einige möglicherweise mehrmals auftreten.

Besonders bemerkenswert ist, dass Beamte des Federal Reserve Board in der Regel erst nach Wallers Rede Interviews geben, während der Präsident der Federal Reserve Bank von Kansas City, die dieses Treffen ausrichtet, möglicherweise vor dem offiziellen Beginn der Konferenz am Mittwoch als Erster spricht.

Goldman Sachs berichtet, dass aufgrund Wallers vorsichtiger Haltung gegenüber der Forward Guidance die Äußerungen anderer Vertreter abseits der Bühne eine stärkere Signalwirkung auf die zukünftige Geldpolitik haben könnten. Daher sollten Anleger, anstatt allein auf Wallers Rede zu warten, den fortlaufenden Äußerungen der Vertreter der Federal Reserve während der Konferenz mehr Aufmerksamkeit schenken.

 

Finanzinnovation wird zum diesjährigen Thema

Das diesjährige Thema der Jahrestagung in Jackson Hole lautet: „Finanzinnovation: Auswirkungen auf Zahlungsverkehr und Politik“.

Ausgehend von den Konferenzthemen werden sich die Diskussionen verstärkt auf Finanzinnovationen und deren langfristige Auswirkungen auf die Geldpolitik konzentrieren. Mögliche Themen sind unter anderem künstliche Intelligenz, digitale Vermögenswerte und Veränderungen auf den Finanzmärkten.

Im Hinblick auf den kurzfristigen Markthandel dürfte die Bedeutung wissenschaftlicher Arbeiten und Konferenzdiskussionen jedoch geringer sein als die öffentlicher Äußerungen von Zentralbankvertretern. Anders ausgedrückt: Der Markt sollte sich in diesem Jahr in Jackson Hole vor allem auf Wallers Rede und die von den Zentralbankvertretern während der Konferenz veröffentlichten geldpolitischen Signale konzentrieren.

Obwohl Jackson Hole das jährliche Treffen der globalen Zentralbanken ist, stellt es nicht das einzige Zeitfenster mit einer besonderen Bedeutung für die geldpolitische Kommunikation des Jahres dar. Mit Blick auf die Sitzung der US-Notenbank im September wird der Markt letztendlich wieder Daten wie Beschäftigung, Inflation und Wirtschaftswachstum analysieren und die Zinsentwicklung entsprechend anpassen.

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