Der Schmerz der perfekten Preisgestaltung: Samsung Electronics stürzt ab, da die rasant steigenden Gewinne immer noch nicht „gut genug“ sind
BTCCAutor: CLSDie Blase am Markt für Speicherchips scheint immer schneller zu platzen. Nachdem Speicheraktien am Montag trotz fehlender klarer negativer Auslöser stark unter Druck geraten sind, beobachten globale Chip-Investoren nun einen der wichtigsten Indikatoren der Branche genau.
Samsung Electronics, der weltweit größte Speicherhersteller, veröffentlichte seine vorläufigen Ergebnisse für das zweite Quartal. Obwohl die Zahlen äußerst stark ausfielen, konnten sie die außergewöhnlich hohen Erwartungen der Anleger an ein Unternehmen, das vom Markt bereits als „perfekt bewertet“ galt, nicht erfüllen. Nach Börsenbeginn in Korea fielen die Samsung-Aktien deutlich und verloren im Tagesverlauf fast 8 % an Wert.

Gewinn steigt um das 18-fache
Laut dem vorläufigen Ergebnisbericht von Samsung Electronics für das zweite Quartal erzielte das Unternehmen in den drei Monaten bis zum 30. Juni einen geschätzten operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won, umgerechnet etwa 58 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einer Steigerung um das 18-Fache gegenüber dem Vorjahr und übertrifft die vorherige Analystenschätzung von 84,2 Billionen Won deutlich.
Gleichzeitig verdoppelte sich der Umsatz von Samsung im zweiten Quartal auf 171 Billionen Won und lag damit leicht über den Markterwartungen.
Der Schmerz der perfekten Preisgestaltung
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass Investoren aufgrund des beispiellosen globalen Ausbaus der KI-Infrastruktur extrem hohe Erwartungen an Chiphersteller wie Samsung und SK Hynix gesetzt hatten. Dieser Optimismus trieb die Gewinnmargen dieser Unternehmen auf ein nie dagewesenes Niveau.
Der Markt hinterfragt jedoch zunehmend, ob diese massive Investitionswelle anhalten kann. Letzte Woche gab Meta vorsichtige Signale hinsichtlich seiner zukünftigen Investitionspläne und schürte damit die Befürchtung, dass Technologiekonzerne ihre Ausgaben reduzieren könnten. Dies führte zum größten zweitägigen Kurssturz bei Momentum-Aktien mit hohem Beta-Wert seit Beginn der Pandemie. Vor diesem vorsichtigen Hintergrund kann jeder Quartalsbericht, der keine großen Überraschungen bietet, für gewinnorientierte Anleger ein willkommener Anlass sein, Gewinne zu realisieren.
Als Momentum-Aktien mit hohem Beta-Wert bezeichnet man Aktien, die volatiler sind als der Gesamtmarkt und weiterhin kurzfristig einen Aufwärtstrend aufweisen.
Brian Cho, Portfoliomanager beim globalen Aktienvermögensverwalter Causeway Capital Management, erklärte, der Markt achte nun verstärkt darauf, ob der jährliche freie Cashflow der Unternehmen einen nachhaltigen Aufschwung erfahre. Auch die Aktionärsrenditepolitik des Managements werde ein wichtiger Fokus sein.
Knappheit bringt unerwartete Gewinne
Der Mangel an Speicherchips hat sich zu einem zentralen Engpass für die KI-Entwicklung entwickelt. Führungskräfte wie Nvidia-CEO Jensen Huang und OpenAI-COO Brad Lightcap haben bereits vor diesem Problem gewarnt.
Um der starken Nachfrage von Rechenzentren gerecht zu werden, haben große Chiphersteller mehr Ressourcen in den Bereich High-End-Speicher investiert. Dies hat wiederum zu einer gravierenden Verknappung herkömmlicher Speicher geführt.
Einige Analysten gehen davon aus, dass die Knappheit mindestens bis 2027 andauern wird, was Samsung, SK Hynix und Micron eine erhebliche Preissetzungsmacht verleiht.
Laut Daten des Marktforschungsunternehmens Counterpoint werden die drei Chipgiganten im zweiten Quartal dieses Jahres voraussichtlich durchschnittliche operative Margen von rund 75 bis 80 Prozent erzielen.
Das Unternehmen warnte in seinem Bericht jedoch auch davor, dass manche diese hohen Gewinnspannen als „übermäßige Profitgier“ ansehen. Sollte sich diese Situation fortsetzen, könnten Speicherchip-Hersteller künftig unter Druck vonseiten der Regulierungsbehörden geraten.
Intensiver Wettbewerb
Obwohl auch Samsung Electronics vom KI-Boom profitiert, blieb die Aktienkursentwicklung hinter dem heimischen Konkurrenten SK Hynix zurück. Da SK Hynix sich stärker auf High-End-Speicherprodukte für KI-Anwendungen konzentriert, stieg der Aktienkurs des Unternehmens in diesem Jahr um rund 260 %. Im Vergleich dazu lag Samsungs Kursgewinn seit Jahresbeginn nach fünf Verlusttagen in der vergangenen Woche lediglich bei 165 %.

Um ihre Produktionskapazitäten rasch auszubauen, planen die Samsung Group und die SK Group den Bau von jeweils zwei Chipfabriken im Südwesten Südkoreas. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf bis zu 800 Billionen Won. Ziel ist es, die Speicherproduktionskapazität Südkoreas innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln. Samsung hat angekündigt, bis 2026 mehr als 70 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Produktionskapazitäten sowie in die technologische Forschung und Entwicklung zu investieren.
Auch die potenzielle Konkurrenz aus China sollte man im Auge behalten. Koreanische Branchenexperten haben festgestellt, dass der chinesische DRAM-Hersteller ChangXin Memory Technologies seine Technologie schneller als erwartet weiterentwickelt und den Abstand zu seinen koreanischen Mitbewerbern schrittweise verringert.
Da ChangXin Memory seinen Marktanteil im Speicherbereich ausbaut, beobachten Investoren genau, ob das Unternehmen durch Skaleneffekte letztendlich Einfluss auf das globale Preissystem nehmen könnte. Obwohl die tatsächlichen Auswirkungen kurzfristig begrenzt bleiben, werden solche Veränderungen im Wettbewerbsumfeld für Samsung Electronics, dessen Bewertung bereits hoch ist, unweigerlich die Marktstimmung beeinflussen.
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