Tesla Cybercab-Event: Begrenzte Fortschritte – Skalierung und Kosten bleiben Kernfragen
wallstreetcnGoldman Sachs ist der Ansicht, dass der Cybercab bei Skalierungskosten von 20.000 bis 30.000 Dollar klare wirtschaftliche Vorteile pro Fahrzeug bietet, entscheidender sei jedoch, ob die Software eine regionenübergreifende Expansion unterstützen kann. Barclays weist darauf hin, dass Teslas aktuelle Robotaxi-Flotte in Austin weniger als 100 Fahrzeuge umfasst und die Veranstaltung keine neuen Wachstumsziele nannte. Obwohl sich die FSD-Sicherheitsdaten und die Unfallrate der Robotaxis kontinuierlich verbessern, muss die Skalierung noch bestätigt werden.
Am 3. September wurde der Tesla Cybercab offiziell vorgestellt, und Tesla gab bekannt, dass die Robotaxis insgesamt mehr als 1 Million Meilen zurückgelegt haben. Laut dem Trading Desk von Zhuifeng haben Goldman Sachs und Barclays ihre Erwartungen dadurch nicht wesentlich erhöht: Der Kostenvorteil des Cybercab ist zwar relativ klar, löst aber nicht die beiden größten aktuellen Probleme von Teslas Robotaxi – die Flotte ist weiterhin klein und die Expansion langsam.
Goldman Sachs schätzt, dass der Cybercab bei Skalierungskosten von 20.000 bis 30.000 Dollar im Vergleich zu den Vorab-Fahrzeugkosten einiger Wettbewerber von 50.000 bis 100.000 Dollar einen Kostenvorteil von etwa 0,05 bis 0,30 Dollar pro Meile erzielen könnte. Die Bank ist jedoch der Ansicht, dass kurz- bis mittelfristig die Fähigkeit der autonomen Fahrsoftware, eine regionenübergreifende Expansion zu unterstützen, der entscheidende Faktor für die Wirtschaftlichkeit der Robotaxis bleibt.
Barclays weist darauf hin, dass Teslas Robotaxi-Flotte in Austin vor der Vorstellung des Cybercab noch weniger als 100 Fahrzeuge umfasste und die Veranstaltung keine neuen Wachstums- oder Finanzziele nannte.
Dies ist auch der Hauptgrund, warum beide Investmentbanken bei der Veranstaltung vorsichtig bleiben: Sinkende Fahrzeugkosten können die Wirtschaftlichkeit pro Fahrzeug verbessern, aber wenn die Flotte nicht schnell expandieren kann, lässt sich der Kostenvorteil nur schwer in Umsatz und Gewinn umwandeln. Daher sind die wichtigsten Beobachtungspunkte in der Zukunft nicht die Produktparameter des Cybercab, sondern ob die Massenproduktionskosten realisiert werden können, ob die Robotaxi-Flotte schnell erweitert werden kann und ob Tesla den bestehenden Betrieb von Austin auf weitere Städte übertragen kann.
Cybercab setzt auf niedrige Kosten, Hardware weiter vereinfacht
Der Cybercab ist ein zweisitziges fahrerloses Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale und das erste zweckgebaute Fahrzeug, das Tesla in seiner Robotaxi-Flotte einsetzt; zuvor wurde hauptsächlich das Model Y verwendet.
In der Fertigung nutzt der Cybercab das von Tesla zuvor vorgestellte „Unboxed“-Fertigungsverfahren, das laut Unternehmen die Produktionskosten um bis zu 50 % senken kann. Das Fahrzeug ist mit 4680-Trockenkathoden-Batteriezellen ausgestattet, hat eine geplante Lebensdauer von 500.000 Meilen und verfügt über eine 48-Volt-Elektroarchitektur, Steer-by-Wire und Brake-by-Wire.
Die autonome Fahrhardware setzt Teslas reinen Vision-Ansatz fort, mit 8 Außenkameras und 1 Innenkamera, ohne LiDAR. Tesla integriert außerdem Unterhaltungs- und Barrierefreiheitsfunktionen und veröffentlicht Passagier- und Compliance-Richtlinien.
Der tatsächliche Betriebsumfang des Cybercab ist derzeit noch begrenzt. Laut Registrierungsunterlagen der texanischen Regierung sind in dem Bundesstaat 45 Cybercabs registriert. Goldman Sachs weist darauf hin, dass sich nicht alle diese Fahrzeuge im kommerziellen Betrieb befinden; einige könnten noch für Tests oder mit Sicherheitsüberwachern eingesetzt werden.
Kostenvorteil pro Fahrzeug, Flottenexpansion bleibt Engpass
Goldman Sachs ist der Ansicht, dass Tesla, wenn es die Skalierungskosten des Cybercab auf 20.000 bis 30.000 Dollar begrenzen kann, im Vergleich zu den Vorab-Fahrzeugkosten der Wettbewerber von 50.000 bis 100.000 Dollar einen Kostenvorteil von 0,05 bis 0,30 Dollar pro Meile erzielen könnte. Kostengünstige Fahrzeuge würden damit zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil für Teslas Eintritt in den Robotaxi-Markt.
Goldman Sachs betont jedoch gleichzeitig, dass kurz- bis mittelfristig nicht die Fahrzeugkosten, sondern die Softwarefähigkeiten die Wirtschaftlichkeit des Robotaxi-Geschäfts bestimmen. Ob Teslas allgemeinere KI-Lösung den Betrieb der Fahrzeuge in mehr Regionen unterstützen und mit niedrigen Grenzkosten schnell repliziert werden kann, wird direkt über Umsatzpotenzial und Unit Economics des Geschäfts entscheiden.
Auch Barclays sieht Teslas potenziellen Vorteil in kostengünstigen Spezialfahrzeugen und dem technischen Ansatz ohne hochpräzise Karten, was theoretisch eine schnellere Expansion in neue Betriebsgebiete ermöglicht, sobald die autonome Fahrsoftware ausgereift ist.
Das Problem ist, dass Teslas Expansionstempo derzeit noch langsam ist. Barclays weist darauf hin, dass Teslas Robotaxi-Betriebsflotte in Austin vor der Vorstellung des Cybercab weniger als 100 Fahrzeuge umfasste. Ob der Cybercab nach Betriebsaufnahme die Flottenexpansion beschleunigen und mehr Testgebiete in reguläre Dienste umwandeln kann, wird daher zum zentralen Beobachtungsindikator der nächsten Phase.
FSD-Sicherheitsdaten verbessern sich, europäische Vergleichbarkeit begrenzt
Die kürzlich von Tesla veröffentlichten FSD-Daten (überwacht) zeigen, dass sich die Nutzung des autonomen Fahrsystems in Nordamerika und einige Sicherheitsindikatoren kontinuierlich verbessern. Goldman Sachs stellt fest, dass bei den mit HW4 ausgestatteten FSD-Kilometern (überwacht) etwa 60 % auf Autobahnen und 40 % auf Stadtstraßen entfallen, wobei der Anteil der Stadtstraßen kontinuierlich steigt.
Bei den Sicherheitsdaten verringert sich bei HW4-Fahrzeugen mit FSD (überwacht) die Anzahl der automatischen Notbremsungen um etwa 75 % bis 85 %, und leichte sowie schwere Kollisionen gehen um etwa 40 % bis 90 % zurück – eine deutlich bessere Leistung als bei Fahrzeugen ohne aktive Sicherheitsfunktionen.
Die europäischen Daten zeigen ebenfalls Verbesserungen, sind laut Goldman Sachs jedoch nur eingeschränkt mit den nordamerikanischen Daten vergleichbar. In Europa entfallen etwa 55 % der FSD-Kilometer auf Autobahnen und 45 % auf Stadtstraßen. In den meisten Szenarien sinkt die Zahl der automatischen Notbremsungen um etwa 70 % bis 95 %, auf einigen lokalen Straßen ist die Auslösehäufigkeit jedoch höher als bei Tesla-Nutzern ohne FSD.
Wichtiger ist, dass die europäischen Daten hauptsächlich von speziell geschulten Tesla-Ingenieuren erhoben werden, deren Fahrweise sich von der normaler Verbraucher unterscheidet. Daher lassen sie sich nicht einfach mit den nordamerikanischen Daten vergleichen. Tesla erhielt im April dieses Jahres die erste vorläufige FSD-Zulassung in Europa in den Niederlanden; danach erteilten vier weitere EU-Länder vorläufige Zulassungen. Eine umfassendere EU-weite Abstimmung über die Zulassung könnte frühestens im Oktober stattfinden.
Robotaxi-Unfallrate verbessert sich, Skalierung muss noch bestätigt werden
Die Sicherheitsbilanz der Robotaxis selbst verbessert sich ebenfalls. Goldman Sachs kombiniert die Kollisionsdaten der NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) von Januar bis Mitte Juli 2026 mit den von Tesla gemeldeten vollständig fahrerlosen Kilometern in Austin, Dallas und Houston und berechnet, dass Teslas Robotaxis im Durchschnitt alle 50.000 bis 70.000 Meilen einen Unfall haben, unabhängig von der Schuldfrage.
Bemerkenswert ist, dass Tesla von Januar bis März 2026 sowie in der ersten Julihälfte keine Unfälle mit vollständig fahrerlosen Fahrzeugen verzeichnete. Goldman Sachs weist darauf hin, dass Tesla erst im Januar dieses Jahres den vollständig fahrerlosen Passagierdienst offiziell gestartet hat, weshalb frühere Daten nicht in die Statistik einfließen.
Allerdings ist der Betriebsumfang der Robotaxis derzeit noch klein, und die vorhandenen Unfalldaten reichen nicht aus, um die Sicherheitsleistung im großflächigen Betrieb zu belegen. Ob die niedrige Unfallrate bei deutlich steigender Fahrleistung mit wachsender Flotte aufrechterhalten werden kann, wird zum entscheidenden Test dafür, ob Teslas fahrerlose Technologie wirklich kommerzialisiert werden kann.
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