Trumps Zölle & die Börse: Welche europäischen Aktien jetzt profitieren könnten

Verfasst von Judith WeberZuletzt aktualisiert:

Trumps Zölle & die Börse

Handelskrieg 2.0?

Mit der erneuten Ankündigung umfassender Strafzölle durch Donald Trump auf eine Vielzahl von Importgütern gerät das globale Wirtschaftsklima erneut unter Druck. Besonders europäische Unternehmen sehen sich vor neue Herausforderungen gestellt. Doch nicht alle Branchen sind Verlierer. Vielmehr eröffnen sich durch geopolitische Umbrüche und veränderte Lieferketten neue Chancen. In diesem Beitrag analysieren wir, welche europäischen Sektoren und Aktien jetzt profitieren könnten – und wie Anleger darauf reagieren können.

 

1. Globaler Wandel: Trumps Handelspolitik und ihre Folgen für Europa


Donald Trumps “America First”-Strategie setzt auf Protektionismus.

Für Europas exportorientierte Industrie bedeutet das vor allem eines: steigendes Risiko.

Gleichzeitig entstehen jedoch Chancen – besonders für Unternehmen, die frühzeitig auf Nearshoring, Diversifizierung der Lieferketten oder lokale Produktion gesetzt haben.

Beispiel:

Siemens Energy (ENR.DE) investierte 2024 rund 500 Mio. Euro in ein Werk in Polen. Ziel ist es, US-Strafzölle auf Elektrokomponenten zu umgehen.

Auch Volkswagen (VOW3.DE) verlagerte 30 % seiner Batteriezellproduktion nach Ungarn – unterstützt durch das EU-Programm „Critical Raw Materials Act“, das Investitionen mit bis zu 40 % subventioniert.

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2. Osteuropa statt Mexiko: Neue Gewinner beim Nearshoring


Während asiatische Hersteller zunehmend auf Produktionsstandorte in Mexiko ausweichen, setzt Europa auf eigene Lösungen. Osteuropa gewinnt strategisch an Bedeutung – auch durch kürzere Lieferketten und EU-Förderungen.

Potenzielle Profiteure:

  • Infineon (IFX.DE): Der deutsche Chiphersteller baut seine Präsenz in Europa und den USA kontinuierlich aus. Die starke Stellung im Bereich Leistungshalbleiter sorgt für Nachfrage – insbesondere im Bereich E-Mobilität.
  • STMicroelectronics (STM.PA): Das Unternehmen profitiert von seiner regionalen Produktionsstruktur in Europa. Zollkosten können vermieden werden.
  • Leoni AG (LEO.DE): Der Automobilzulieferer fertigt in Osteuropa und Nordafrika – ein Vorteil in einem zunehmend EU-zentrierten Liefermodell.
  • Adidas (ADS.DE): Die „Speedfactories“ in Tschechien decken mittlerweile 45 % des US-Bedarfs. Automatisierung senkt die Produktionskosten um 22 % im Vergleich zu Asien.

 

3. Lokale Nachfrage als Schutzschild: Defensive Konsumgüter im Aufwind


Während exportorientierte Industrien unter Druck stehen, gewinnen heimische Konsumgüterhersteller an Boden. Steigende Importpreise veranlassen Verbraucher, auf lokale Produkte auszuweichen. Besonders Eigenmarken und regionale Produktion sind gefragt.

Beispiele:

  • Ahold Delhaize (AD.AS): Der Supermarktriese setzt gezielt auf Eigenmarken. Kunden greifen verstärkt zu günstigeren, lokal produzierten Alternativen.
  • Zalando (ZAL.DE): Die Eigenmarke „Zalando Essentials“ macht bereits 35 % des Sortiments aus. Im ersten Quartal 2025 stieg der Umsatz in der EU um 18 %.
  • Henkel (HEN3.DE): Höhere Importpreise stärken lokale Anbieter wie Henkel. Der Marktanteil in Europa erreichte zuletzt ein Rekordniveau von 43 %.
  • Nestlé (NESN.SW): Dank regional verteilter Produktion ist Nestlé weniger anfällig für Zollrisiken und steigende Importkosten.

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4. Halbleiter & Hightech: Europas strategische Schlüsselindustrien


Die EU treibt mit Subventionen wie dem „European Chips Act“ (43 Mrd. Euro) den Aufbau eigener Halbleiterkapazitäten voran. Ziel ist es, geopolitische Abhängigkeiten zu reduzieren und technologische Souveränität zu stärken.

Top-Performer:

  • ASML (ASML.AS): Der niederländische Anbieter von Lithografiesystemen bleibt trotz Exportkontrollen gegen China ein Schlüsselakteur. 2024 verzeichnete das Unternehmen eine 67 % höhere US-Nachfrage.
  • BE Semiconductor (BESI.AS): Rund 40 % seiner Bonding-Systeme gehen direkt an US-Kunden. Die Auftragsbücher sind bis Ende 2026 gefüllt.
  • Infineon & Aixtron: Beide Unternehmen zählen zu den europäischen Technologieführern und profitieren von neuen Investitionen in Chipfabriken.

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5. Maschinenbau & Infrastruktur: Nachfrage aus Übersee


Auch klassische Industrieunternehmen profitieren. Die USA investieren massiv in smarte Infrastruktur und Automatisierung – Europas Maschinenbau liefert dafür die Technologie.

Beispiele:

  • Siemens (SIE.DE): Breites Portfolio in Smart Infrastructure, Automatisierung und Energieeffizienz. Die Nachfrage aus den USA ist stabil.
  • Volkswagen: Mit der regionalisierten Batterieproduktion wird das Unternehmen unabhängiger von globalen Spannungen.
  • AP Møller-Mærsk (MAERSK-B.CO): Der dänische Logistikkonzern erweitert sein Angebot an integrierten Lieferkettenlösungen. Die Nachfrage nach regionalen Transportwegen wächst.
  • Deutsche Post DHL Group (DPW.DE): Profitiert direkt vom Trend zur Produktion näher am Absatzmarkt.

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6. Krisenabsicherung: Gold & europäische Staatsanleihen


Angesichts geopolitischer Unsicherheiten suchen Anleger sichere Häfen. Besonders gefragt: Edelmetalle und stabile Staatsanleihen.

Beispiele:

  • Xetra-Gold (4GLD.DE): Physisch hinterlegtes Gold bleibt bei Marktunsicherheit eine bewährte Absicherung.
  • Bundesanleihen: Trotz niedriger Renditen bieten sie Stabilität – besonders bei institutionellen Investoren.

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Historische Parallelen: Lehren aus dem letzten Handelskrieg


Bereits 2018/2019 zeigte sich: Strafzölle verändern die Marktmechanik.

Gewinner von damals:

  • Airbus (AIR.PA): +29 % durch Strafzölle auf Boeing-Flugzeuge
  • K+S AG (SDF.DE): +41 % dank wachsender Nachfrage nach Düngemitteln
  • Rheinmetall (RHM.DE): +38 % durch zollfreie Exporte in den Verteidigungsbereich

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Portfoliostrategie 2025: Chancen nutzen, Risiken meiden


Empfohlene Sektor-Gewichtung:

  • 35 % Value-Aktien: BASF, Allianz, Unilever
  • 25 % Technologieführer: ASML, Infineon, Aixtron
  • 20 % Defensive Konsumgüter: Nestlé, L’Oréal, Danone
  • 15 % Rohstoffe & Logistik: Glencore, Maersk, Deutsche Post
  • 5 % Edelmetalle: Xetra-Gold ETC

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Fazit


Die erneuten Strafzölle könnten zum Katalysator für eine wirtschaftliche Neuordnung werden. Europäische Unternehmen, die frühzeitig auf regionale Lieferketten, Automatisierung und technologische Führerschaft gesetzt haben, sind im Vorteil. Wer heute klug investiert, kann von den Spannungen zwischen den Handelsblöcken langfristig profitieren – trotz aller Risiken.

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